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3. In der Schule. Jugendlust und Jugendlehre. "Dienst". Politur und Erziehung. Sozialer und kultureller Aufstieg. Konflikte. Schulbriefe. Die Arbeiterfamilie. Eine pädagogisch arme Welt. Absperrung von der Natur. "Landpartien". Revisoren und Vorgesetzte. Die Fortbildungsschule.

Full text: Berliner Lehrer / Tews, Johannes

38 Großstadt-Dokumente Bd. 20. Berliner Lehrer.

etwas zu sagen haben, nicht gern aus dem Kriegsfuße. Dazu ist er auch zu klug. Er muß schließlich doch die Zeche bezahlen. Aus der Schulbank vollends ist der Berliner Junge, wenn ihn nicht ganz ausnahmsweise schlechter Umgang verdirbt, sogar zahm. Was er in seinem Privatverhältnis außerhalb der Schule vielleicht aus dem Kerbholz hat, gibt er in der Schule nicht leicht preis, auch den Kameraden nicht, von denen viele das „Petzen" doch nicht überwinden können.

Und die Mädchen sind früh mit dem ganzen Apparat des höflichen Benehmens und der „seinen Sitte" ausgerüstet. Sie knicksen mehr als nötig ist und erscheinen höchst propre in der Schule. Wenn es nicht der Fall ist, sind die häuslichen Verhältnisse außergewöhnlich schlecht. Selbst die wenigen, die frühzeitig dem Laster verfallen, gelten in der Schule oft als ganz gute Schülerinnen. Weder die Kameradinnen noch die Lehrer wissen, wie es um sie steht.

Oft wird die Kriminalität der Berliner Jugend als ein Beweis besonders starker Verwahrlosung hingestellt. Es ist auch gewiß nicht leicht zu nehmen, wenn im Jahre 1904 287 Gemeindeschüler, das sind 0,13 vom Hundert, gerichtlich bestraft wurden. Aber was diese Kinder vor die Schranken des Gerichtes bringt, sind doch zumeist Handlungen, die „draußen" mit einer Tracht Prügel erledigt werden. Und dann lockt in der Weltstadt doch auch so vieles, was das Land- oder Klein-stadtkind überhaupt nicht kennt. Die Gerichte sind deswegen auch im Laufe der Zeit zu der Überzeugung gekommen, daß das Kind nicht wegen einer Tat, die in jugendlicher Unbesonnenheit oder kindlicher Dummheit ihren Grund hat, zum Verbrecher gestempelt werden darf. Die Zahl der Straffälle ist von 1898 bis 1903 von 0,18 auf 0,09 v. H. zurückgegangen, dann allerdings wieder ge-
        
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