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3. In der Schule. Jugendlust und Jugendlehre. "Dienst". Politur und Erziehung. Sozialer und kultureller Aufstieg. Konflikte. Schulbriefe. Die Arbeiterfamilie. Eine pädagogisch arme Welt. Absperrung von der Natur. "Landpartien". Revisoren und Vorgesetzte. Die Fortbildungsschule.

Full text: Berliner Lehrer / Tews, Johannes

3. In der Schule.

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Noch mit manchen andern Hindernissen hat der Berliner Lehrer in seinem Berufe zu kämpfen. Auch der Hunger ist bei manchem Berliner Schulkinde ein böser Gast. Herman Abrahams Kindervolksküchen füllen Zwar vielen den leeren Magen, aber durchgreifende Hilfe kann nur eine allgemeine Witwen- und Waisenfür-sorge und eine Arbeiterlöhnung bringen, die den Familienstand berücksichtigt. Die Familien der Arbeiter und der Kleinen Beamten mit unerzogenen Kindern leiden mehr oder weniger alle Not, weil der Vater nicht mehr erwirbt als sein unverheirateter oder kinderloser Kollege. Für den Staat, die Gemeinde und den Arbeitgeber existiert eben die Arbeiter- und Beamtensamilie bei der Besoldung nicht.

Zm übrigen ist der Lehrerberuf in Berlin nicht schwerer, in vieler Beziehung sogar leichter auszuüben als in kleineren Ortschaften. Richtig behandelt ist der Berliner Junge nichts weniger als bösartig. Die Großstadt erzieht im ganzen ein fügsames Geschlecht. Man muß sich in andere schicken, wenn man mit ihnen leben will. Je dichter die Menschen zusammenrücken, um so mehr sind sie zu gegenseitiger Rücksichtnahme gezwungen. Die „Unbändigen" wachsen ganz wo anders auf. Szenen, wie sie vor 30 bis 40 Jahren in manchen Dorfschulen vorkamen und auch wohl heute noch sich abspielen, sind in den Berliner Schulen kaum möglich. Der Berliner Junge ist laut, hat einen „großen Hals" — das bringt der Stratzenlärm, den er überschreien will, mit sich. Er ist auch „frech", denn 36$, der ihn in seinem Spiel aus der Straße stört, ist für ihn FJ, nichts weiter, aber den Respektspersonen — Lehrern, Schutzleuten, Hauswirten, Portiers — tritt er zumeist recht manierlich gegenüber, wenn „von Vatern" nicht eine andere Direktive gegeben wird. Der Junge lebt mit denen, die ihm
        
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