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3. In der Schule. Jugendlust und Jugendlehre. "Dienst". Politur und Erziehung. Sozialer und kultureller Aufstieg. Konflikte. Schulbriefe. Die Arbeiterfamilie. Eine pädagogisch arme Welt. Absperrung von der Natur. "Landpartien". Revisoren und Vorgesetzte. Die Fortbildungsschule.

Full text: Berliner Lehrer / Tews, Johannes

3. In der Schule. 
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das Haus, wenig mehr. In Dorf und Kleinstadt spielt 
sich die Arbeit und das Schassen der Erwachsenen 
zumeist vor den Augen des Kindes ab. Es blickt in 
jede Werkstatt, in jeden Bauernhof hinein, läuft mit 
hinaus aufs Feld, arbeitet und schafft mit den Erwachsenen 
gemeinsam, teilt ihre Leiden und ihre Freuden und 
wächst so spielend und arbeitend früh in das Leben hin¬ 
ein. Dem Berliner Kinde bleibt die Arbeit der Er¬ 
wachsenen größtenteils verschlossen. Die Arbeit hat sich 
in die großgewerblichen und kaufmännischen Etablissements 
zurückgezogen, die das Kind selten oder nie betritt. Nur 
die rohesten Arbeitsformen sind von der Straße aus zu 
beobachten. Das Kind steht außerhalb der Arbeit. Wenn 
seine kleinen Hände beschäftigt werden, so muß es sich 
der harten Arbeitsmethode der Großstadt als junger 
Arbeitssklave unterwerfen. Aber nicht die Kinderarbeit als 
solche ist ein Unsegen für die Jugend, sondern ihre strengen 
Formen und ihre Ausartungen in gesundheitlicher und 
sittlicher Beziehung. Könnte das Berliner Kind alles 
das beobachten und an Gliedern spielend und mithelfend 
teilnehmen, was die Weltstadt an wirtschaftlichen Gütern 
produziert, es stände um seine Erziehung besser. In der 
Arbeit ist jeder Mensch am größten. Es ist ein unersetz¬ 
licher pädagogischer Verlust, daß das Großstadtkind 
seinen Vater nicht Tag für Tag bei der Arbeit sehen 
kann. Die Schule kann für diesen Verlust nur Surro¬ 
gate bieten, und auch das geschieht bisher nur vereinzelt. 
Der Handfertigkeitsunterricht hat in die Berliner 
Gemeindeschulen noch keinen Eingang gefunden. Nur 
einige private Lehrstätten für diesen Unterricht fristen ein 
kümmerliches Dasein. 
Dagegen ist die gewerbliche Lohnarbeit der 
Kinder in Berlin, wenigstens zurzeit, aus ein ziemlich 
geringes Maß beschränkt. Soweit das Auge des Gesetzes 
Großstadt-Dokumente 93b. 20. 3
        
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