Path:
3. In der Schule. Jugendlust und Jugendlehre. "Dienst". Politur und Erziehung. Sozialer und kultureller Aufstieg. Konflikte. Schulbriefe. Die Arbeiterfamilie. Eine pädagogisch arme Welt. Absperrung von der Natur. "Landpartien". Revisoren und Vorgesetzte. Die Fortbildungsschule.

Full text: Berliner Lehrer / Tews, Johannes

3. In der Schule. 
29 
Kur mit dem „gelben Onkel" auch dann nicht übel, wenn 
die Spuren noch zu Hause erkennbar sind. Der großen 
Masse der Berliner Bevölkerung mit ihrer urgesunden 
realistischen Lebensauffassung ist alle krankhafte Äber- 
treibung gewisser Humanitätsideen fremd. Der Junge mutz 
parieren, und tut er's nicht, macht er sich unnütz, so ver¬ 
langt die Volksmoral, datz er bekommt, was sich gehört. 
Natürlich sind die Vüter und Mütter durchaus nicht 
geneigt, alles stillschweigend hinzunehmen, was in der 
Schule geschieht, und wenn im Falle des Widerspruchs 
auch das mündliche Verfahren bevorzugt wird, so flattern 
dem Lehrer doch auch manchmal wenig freundliche „Schul- 
briefe" auf das Katheder. Zuweilen finden sich darin 
Laiengedanken über Pädagogik, die man vielleicht ad 
notam nehmen sollte. So erhielt eine Lehrerin, als die 
Schulverwaltung das Zeichnen mit Kohle bei den An¬ 
fängern einführte, folgenden originellen Brief: 
„Sehr geehrtes Fräulein! Mein Sohn Fritz kam 
heute aus der Schule und brachte den Bescheid mit, daß 
er sich Papier, Holzkohle und Lederlappen zum Zeichnen 
anzuschaffen habe. Dieses Material wurde mir vorgelegt 
und kann ich nicht umhin, wenn dies das Geforderte 
sein soll, Ihnen meine größte Verwunderung darüber 
auszusprechen; denn seither wurde zu dem Anfangsunter¬ 
richt im Zeichnen ein geeigneteres Material benutzt. Sie 
werden meiner Ansicht nach bei solch kleinen Kerlen Ihr 
blaues (besser schwarzes!) Wunder erleben. Diese werden 
aus der ersten Unterrichtsstunde als Kleine Schornstein¬ 
feger hervorgehen und noch obendrein ihre Kleider, sowie 
ihre andern Hefte und Bücher beschmiert haben. Leider 
bin ich kein SeifenfabriKant, sonst würde ich mir erlauben. 
Ihrer Klasse einen halben Zentner Schmierseife zur Ver¬ 
fügung zu stellen, aber auch an den nötigen Waschge- 
räten usw. wird es zurzeit fehlen. Ich richte daher die
        
Top of page

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.