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3. In der Schule. Jugendlust und Jugendlehre. "Dienst". Politur und Erziehung. Sozialer und kultureller Aufstieg. Konflikte. Schulbriefe. Die Arbeiterfamilie. Eine pädagogisch arme Welt. Absperrung von der Natur. "Landpartien". Revisoren und Vorgesetzte. Die Fortbildungsschule.

Full text: Berliner Lehrer / Tews, Johannes

den eigentlichen Zweck der Schule aus den Augen. Indessen, gute Gewohnheiten sind wertvolles Lebensinventar, und der Mensch lebt nicht vorn Geist allein. Ein gut Strick seines Glückes liegt in seinem äußeren Leben, im Kleide und in der Kultur der Haut.

In dieser Beziehung kann aber die Berliner Volksschule jetzt immer mehr dem Hause überlassen. Unser gesamtes Volksleben hat sich äußerlich stark verfeinert. Die Schale wird poliert, oft aber deckt sie einen minderwertigen, wenig kultivierten Kern zu. Und die Schule tut deswegen besser, sich um den Kern, das innere Leben des Kindes, in erster Linie zu bekümmern.

In dem großen Kampfe für Kultur und Gesittung, den die Schulen führen sollen, steht die großstädtische Volksschule direkt im Feuer. Nirgends sind die Gefahren für das junge Gemüt so groß wie in den brandenden Wogen des großstädtischen Lebens. Der Sinn wird oft frühzeitig verwirrt und das Kind mit den Nachtseiten des menschlichen Lebens bekannt gemacht, wenn es ein Bild normalen Lebens noch nicht in sich ausgenommen hat. So manches Berliner Kind lebt vom ersten Tage an mit dem Laster und der Verworfenheit in einem Raume. Die Zote klingt ihm Tag für Tag ins Ohr. Es sieht, was auch einem Erwachsenen ohne Schaden immer verborgen bleiben darf. Und trotzdem geht der Mensch im Kinde nicht immer unter. Die Schule, wie sie sein soll, trägt eine höhere Welt in sein Geistesund Gemütsleben hinein. Hier lernt es das kennen, was dem Menschen erst Wert gibt, und hier kommt das sittlich gefährdete Kind auch in eine Luft, die für seine Entwicklung zuträglicher ist als das eigene Heim. Es merkt, daß es eine höhere Welt gibt als die ihm bisher bekannte, mich seine Kameraden sind anders, besser als es selbst ist.
        
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