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3. In der Schule. Jugendlust und Jugendlehre. "Dienst". Politur und Erziehung. Sozialer und kultureller Aufstieg. Konflikte. Schulbriefe. Die Arbeiterfamilie. Eine pädagogisch arme Welt. Absperrung von der Natur. "Landpartien". Revisoren und Vorgesetzte. Die Fortbildungsschule.

Full text: Berliner Lehrer / Tews, Johannes

3. In der Schule.

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der Umgang mit dem jungen Blut, das, recht geleitet, so viel Freude und Leben ausströmt.

Oft wird freilich gerade dem geborenen Lehrer sein Amt durch Pedanterie und Bureaukratie verleidet. Ein Beruf, den man nur ausüben kann, wenn das Herz dabei mitspricht, wird von mechanischen Geistern, die sich hin und wieder in die Schulverwaltung verirren, oft als „Dienst" nach dem Muster des Kasernenhofes und der Schreibstube, aufgefaßt. Und dann wehe dem Manne auf dem Katheder, dem das Reglement nicht der einzige Leitstern seiner Wirksamkeit ist. Die Berliner Lehrer sind von derartigen Eingriffen in ihre Arbeit lange verschont geblieben. Der Schulgewaltige im Rathause, Stadtschulrat Heinrich Bertram, war zwar in seinem ganzen Wesen ein stiernackiger Autokrat, in inneren Schulangelegenheiten huldigte er aber der größten Freiheit. Sein Wahlspruch war: „Der Buchstabe tötet, der Geist macht lebendig." In jüngster Zeit war es bisweilen anders. Die Pädagogen des Rathauses lagen mit denen in der Linkstraße — hier hat das brandenburgische Provinzialschulkollegium seinen Sitz — int Kriege, und die königliche Behörde brachte sich in der Schule stärker zur Geltung, aber nicht immer so, daß es von den Lehrern angenehm empfunden wurde. Manche eigenartige Episode spielte sich in den Schulsälen, Konferenzzimmern und vor den Schranken des Gerichtes ab.

Mehr freilich als durch derartige behördliche Eingriffe in die innere Erziehungsarbeit der Schule wird die Berliner Gemeindeschule durch die Unvollkommenheiten in ihren Einrichtungen und die Eigenart des Berliner Iugendlebens gehindert und gestört. Die Verhältnisse sind in der Kindererziehung der Weltstadt oft stärker als der beste Wille, und hierin liegt die Tragik so manches Lehrerlebens, daß seine Kraft an einer Ausgabe zer-
        
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