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Full text: Die Berliner Bohème / Bab, Julius

rauenstimmen

über Kellermanns Sehnsuchtsroman.

Sofie Hoeehstetter

schreibt in der „Zeit“, Wien, 22. V. 1904.

«Es ist ein Buch von Jugend — von der Jugend, die in einer Seele sich die Welt erobert. Von der Jugend, die bereit ist, alles zu verschenken. Von der Jugend mit der genialen Gabe, alles in Schönheit geschehen zu lassen. Behutsam, in strenger Wahl des Wortes ist die Geschichte seiner Sehnsucht erzählt. Ruhige Künstlerhände tragen den Stoff, tragen die tausend Nuancen der Wechselbeziehungen zwischen zwei Menschen. Bernhard Kellermann hat das allerpersönlichste Erleben und Fühlen geschildert. Aber dieses subjektivste Buch Weitet sich zu einem Lebensbuch, ich möchte sagen, diese Tragödie des Mannes könnte der männlichen Jugend, die heute jung wird, zu dem werden, was der «Niels Lyhne» drei Generationen war oder Rousseaus «Heloise» einer Epoche. Ich möchte von Herzen wünschen, dass Keller-manns Buch zu all denen käme, die etwas daraus nehmen können, und dass die Persönlichkeit, die es künstlerisch erleben und ihm die reine Form geben konnte, einen Teil unserer jungen Zeitgenossen erlöste von der Nüchternheit, dem Mangel an Kunstform und der Aermlichkeit der Gcl'ühlchen, durch welche die Omptedas, die Karl Busses, und wie sie alle heissen, ihre kreuzbrave Schule machten. Ja, ich wünsche wohl für die Leser von Kellermanns Roman, er möchte ihnen ein Verführer sein, ein Rattenfänger, der sie mit dem Lied der Leidenschaft fortlockt und ihnen ein halbverschüttetes Gebiet wieder zum Neuland macht.«

Toni Schwabe

schreibt in der „Freistatt“, München am 26. III. 1904.

•Es hat ein reicher und glücklicher Mensch ein wundervolles Buch geschrieben — das heisst Yester und Li — es ist die Geschichte einer Sehnsucht, Der es geschrieben hat, ist so reich, dass er kein einziges Mal einen Gedanken auszubeuten braucht. Und er ist glücklich, weil er der Liebe auf der Höhe seines Könnens begegnet ist, wo er die Kraft hatte, sie zu tragen und die Reife, sie zu verstehen. Ich wünschte, ich könnte die Flüchtigen anhalten vor diesem Buche und sie mit dem überlegenen Besserwissen zur Andacht zwingen, denn das Buch ist ein Kunstwerk und der es geschrieben hat, muss ein guter Mensch sein: Ein Wort Nietzsches fiel mir ein, als ich diese Geschichte eioer Sehnsucht eben fertig gelesen hatte, das heisst; Siehe, jetzt eben ward die Welt vollkommen. Dieses eigenste und persönlichste Wort, das uns wohl in manchen Stunden unsres Lebens schon begegnet ist, sehen wir hier wieder als ein Schöpferwort. Wir freuen uns und lachen ihm zu. Hier ist ein Buch, das unter ihm entstanden ist. Ich glaube wohl, man darf es von Anfang bis Ende duvchlesen, ohne eine Phrase zu finden. Alles ist neu und eigen geprägt, alles Geschaute ist durch eine Persönlichkeit gegangen, ehe es wiedergegeben wurde. Kunst ist es — wirkliche Kunst! Denn nur des Künstlers und des Königs Recht und Stolz ist es, keine Münze auszugeben, der nicht das eigene Bild aufgeprägt ist. Ich habe eine Freude an dem Buch gehabt! Eine rechte Frühlingsfreude — Eine Freude, die mir so unvergesslich sein wird wie das Schönste in meinem eigenen Leben. Und wenn ich wieder einmal in München bin, dann werde ich durch diese Stadt, die für mich bis jetzt noch unbelebt war, gehen und werde die Spuren von Heinrich Ginstermann und ihr, die er liebte, aufsuchen, Und die gleichgiltige Stadt wird für mich belebt sein durch das wundervolle Buch eines reichen und glücklichen Menschen.“

Der viel und glänzend besprochne Roman Bernhard Kellermanns * Yester und Li» ist im Magazin-Verlag Jacques Hegner zu Berlin 8. W. 11 erschienen und zmn Preis von Mk. 4,— brosch. und Mk. 5,— geb. durch alle Buchhandlungen zu beziehen.
        
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