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15. Vom Sinn der Bohème

Full text: Die Berliner Bohème / Bab, Julius

Vorn Sinn der Bohöme. 83 
Anreger der Heilkunst, die Treiber des Fortschreitens — 
sie sind Dom Geschlechte Mephistos, der stets verneint und 
deshalb ewig bewegt, sie siud wie der Tod als Feinde des 
Bestehenden Erzeuger immer neuen Lebeus. — Größer 
freilich noch sind die mutig Bejahenden, die Verteidiger 
des sozialen Lebens, die „Olympier" — sie, die sich ins 
Gesüge der hemmenden Kulturgemeinde hineinfanden, mit 
nun boti innen aus zu bessern und auszubauen. Auch 
Goethe ist einmal Bohmnien gewesen, in der Straßbnrger 
Epoche und noch geraume Zeit dauach, und wahrlich mit 
vieles nicht möchten wir die Dokumente jener Jahre, 
den Prometheus und den Ursanst, den Götz und den 
Werther missen; aber das, was ihn zum Nährbater 
unseres Geistes, zum Träger aller Kulturideale macht, 
die heute die Besten hegen, das ist erst später entstanden, 
als er sich willig eingefügt hatte in den großen, all¬ 
gemeinen Kreis bon Pflichten und Rechten. Goethe, der 
„Kosmische", Ordnende, ist über Lenz, den bleibenden 
Bohemien emporgewachsen, wie Shakespeare über Marlow, 
wie in engeren Kreisen Hebbel über Grabbe — und 
heute wieder Dehmel über Konradi. 
Ein großes, fruchtbares, unentbehrliches Element ist 
der aktib gewordene Jndibidualismus, das gesellschafts- 
und herrschastsseindliche, asozialistische und anarchistische 
Zigeunertum im Entwicklungsgänge der Kultur — aber 
sein letzter Sinn ist: immer wieder überwunden und 
widerlegt zu werden.
        
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