Path:
14. Gegenwart

Full text: Die Berliner Bohème / Bab, Julius

78 Großstadt-Dokumente Bd. 2. Die Berliner Boheme.

zuverlässigst anzutreffenden Nachtgäste aller „Literaten-cafös" ist von Beruf Architekt, und wenn du seinen Versicherungen glauben willst, ist die schwarze Ledertasche, die er zumeist mit sich führt, ganz überfüllt von Ent-würfen größter und schwierigster Art. Roscius von Rhyu ist ein berüchtigter Witzbold unter seinen Leuten — aber sein Ulk ist von der Art hinter der ein besonderer Kerl, ein gut Stück Weltauffassung oder mindestens Welt—anfassung liegt. Ein resolutes trotzig frohes An-fasseu des Lebens, eine rechte Zigeunerpraxis, die ihn auch in vielberühmte Konflikte mit der hohen Straßen-obrigkeit zu stürzen Pflegt. Roscius selber erzählt nicht ungern von seinen Differenzen mit einer löblichen Polizei, die bald nicht leiden wollte, daß er — wegen der guten Luft! — auf, statt uuter dem Dach einer Droschke spazieren fuhr; bald etwas wieder die Art hatte, in der er sein Atelier mit Heizmaterial versorgte, nämlich unter nachdrücklicher Heranziehung des reichen durch die vielen Warnnngs- mtd Verbotetafeln auf dem Tempelhoferfeld dargebotenen Materials! Von solchen Meinungsdifferenzen zwischen dein Architekten und der Berliner Polizei weiß man noch vieles zu berichten. — Immerhin, es steckt ein Stil darin und ein Mensch dahinter! — Den Stil einer Persönlichkeit zeigt auch der Freiherr von Schennis, der Maler, den man allnächtlich am Stammtisch im Cafe des Westens trifft — nie ohne mehr oder minder starke Spuren reichlich genossener Spiritnosen. Aber auch in diesem Zustand bleibt der Mann mit den wundervollen sorgsam gepflegten Händen und dem feinen geistreichen Profil Aristokrat voll überlegener Sicherheit im Benehmen; die Worte, die er hinstreut, sind nicht weniger aphoristisch schlagend und packend, wenn sie in schon schwankendem Gang hervorkommen, und wenn die einzelnen Reden etwa schlecht zusammenpassen — das
        
Top of page

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.