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14. Gegenwart

Full text: Die Berliner Bohème / Bab, Julius

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Großstadt-Dokumente Bd. 2. Die Berliner Bohöme.

die sezessionistische Strömung auch in geselliger Beziehung der Künstlerwelt viel starkes, frisches Blut zugeführt. Wie gegenwärtig die deutsche Malerei der deutschen Literatur um ein großes, großes Stück voraus ist, so dürfen wir vielleicht auch für die Zukunft der Berliner Boheme von den bildenden Künstlern mehr erwarten als von den schreibenden.

Was die Schauspielerwelt angeht, so hat sie gewiß noch heut wie stets ihren starken Anteil am Zigeunerleben. Aber die Zeit, wo der Komödiant der Antzergesellschaftliche, der Zigeuner par excellence war, ist doch längst vorüber. Unsere Schauspieler sind so umsichtige Gesellschaftsmeuscheu geworden. Sammeln sich einmal Mimen zu einer Unternehmung von echt zigeunerhaftem Uebermnt, wie es die köstlichen ersten „Schall und Rauch"-Abende waren, so wird alsbald ein wohl-organisierter, weitgehender Theaterbetrieb daraus — oder man stellt, wie die „Bösen Buben" das Bischer: Keckheit und Witz in den rentablen Dienst der Berliner Haut volee, die sich gegen sehr erkleckliches Entree diese auf Draht gezogenen Zigeunertollheiten ansehen darf. Unsere Schauspieler — Ausnahmen natürlich zugegeben — sind sehr geschäftstüchtige Bürger geworden. In jüngster Zeit haben sie sich ja sogar int „Bühuenklub" unter den Linden ein höchst behäbiges, höchst sittsames Heim geschaffen, wo man mehr friedliche Skat- oder Whistspiele als wilde Zigeunerszenen erblicken kann. Sehr außerhalb dieser und aller ähnlichen kollegialen Organisationen bleibt freilich der größte der derzeitigen Menschendarsteller Berlins:

Adalbert Matkowsky — auch in seiner Lebensführung der echte Erbe Ludwig Devrients. Auch vou ihm hängt in der Ruhmeshalle der Weinstube von Lntter und Wegner ein Konterfei — zu besonderen Ruhm aber
        
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