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13. Das letzte Lustrum der Berliner Bohème ***, Neue Gemeinschaft. Die Kommenden. Ueberbrettl.

Full text: Die Berliner Bohème / Bab, Julius

72 Großstadt-Dokumente Bd. 2. Die Berliner Boheme.

Charakter ihres Hauptführers: Ernst von Wolzogen.

Wolzogen, der so ziemlich in allen neueren Zigeunerlagern Deutschlands mitgetan hat, ist in einem Sinne gewiß ein Bohömien, aber wie als Schriftsteller, so ist er auch als Vohemien von einiger Oberflächlichkeit. Mehr die äußeren Seiten und die passiven Kräfte seiner Existenz: die leichtlässige, launig unbekümmerte Lebens-führnng ist es, die ihn zum Vohmnien stempelt, als eine ties innerliche aktive Krast, die ihn zum Feind und Verächter gesellschaftlicher Konvention, zum anarchistischen Außenseiter machte. Der elegante, liebenswürdig geschmeidige Freiherr steht hart an der Grenze, wo der Bohemien aufhört und der „Lebemann" anfängt. Der Lebemann — der wie eine Karrikatur des großen Vohkmien mancherlei von dessen: negativen Wesen, dessen Pflicht- und Gewissenlosigkeit für sich in Anspruch nimmt, ohne die äußere Not, das innere Leiden, mit denen jener zahlt, aus sich zu nehmen. Der „Lebemann" (in niedrer Gesellschaftssphäre Bummler genannt!) ist ohne zureichenden Grund, ist ans Bequemlichkeit, was der Bohümien aus tiefster innerster Nötigung ist — er ist eine Possenfigur, wie der Bohsmien, das heißt der rechte, stets eine tragische ist. Solcher im Grunde tragisch großen Natur bedurfte es aber, wenn ernste schaffende Geister sich zum Lebeu und Wirken zusammenfinden, wenn eine neue Kampsatmosphäre, eine neue Boheme entstehen sollte. Da Wolzogen ist, wer er ist; eine liebenswürdige, leicht uud gefällig wirkende, im Grunde sehr harmlose Natur, so ist von der ganzen Unternehmung heute nichts übrig als eine Reihe Echter und kleinster Üeberbrettlein und Kabaretleiu, in denen sich allerdings allerhand schwankende Musiker-, Maler- und Dichtergestalten von genugsam zigeunerhaften Gebahreu zusammenfinden. Aber nirgends, weder in der „Grünen Minna" noch in der
        
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