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13. Das letzte Lustrum der Berliner Bohème ***, Neue Gemeinschaft. Die Kommenden. Ueberbrettl.

Full text: Die Berliner Bohème / Bab, Julius

70 Großstadt-Dokumente Bd. 2. Die Berliner Vohöme.

Ruck, mit dem sich diese Frau von den Banden der Familie, der Konvention zur freien Entfaltung ihres Ich losriß, gab ihrer Natur den Anstoß, der sie nun nicht mehr zur Ruhe kommen läßt. „Ich lebe wie in einem Wandelpanorama," sagte sie einmal, „alle halbe Jahr muß ich andere Menschen in einer anderen Umgebung sehn." Den rastlosen Wandertrieb ihres Blutes, ihr immer wieder allen Fesseln und Pflichten entgleitendes Zigenner-tum hat sie zum Ausdruck gebracht in den Leitversen ihres Gedichtbuches:

„Ich möchte Sonnen sehen und mehr von Sternen wissen ich möchte gehen — gehen und nimmer kehren müssen."

Aber wenn sie ihrer Sehnsucht zujubelt „Genüge werde mir nie!" — so taucht doch auch die dunkle Gegen-stimmnng auf und sie bringt den echten Schmerz des Zigeuners, die ihn immer wieder jäh überfliegende Ruhesehnsucht, ergreifend zum Ausdruck:

„Ist es Verdammnis, daß ich so ruhlos bin? Jst's tiefstes Fühlen des Lebenspulses, der so ungleich schlägt?

Und doch es muß so schön sein auszuruhen! Ich hab' ein Heimweh!-------------"

Solch starke Natur wußte wohl für kurze Zeit eine kleine Zahl einigermaßen Blutsverwandter um sich zu scharen. Aber ein bedeutsamer, ins Weite wirkender Kreis von einiger Daner entstand nicht. — Die „Kommenden" blieben ein Literaturzirkel, wenn auch vielleicht einer mit hie und da etwas freier: Manieren. Man las seine
        
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