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12. Paul Scheerbart und Peter Hille

Full text: Die Berliner Bohème / Bab, Julius

Paul Schreibart und Peter Hills.	67

den Unstil des Bohsmieus in allerstärkstem Grade trug, daß sie tausendfach Ungeformtes, Wirres, Ungesiebtes brachte, versteht sich von selbst. Diesem Dichter, der den Genießeregoismus des Bohsmiens ganz, ganz naiv, und deshalb mit großer Güte gepaart, aber auch besonders greuzenlos besaß, fehlte jeder Trieb zum Wählen, Feileu, Runden — all jenes Ausarbeiten der Form, das ja zuletzt ein Denken an anbete, an Wirkung, Publiknms-Erfolg im tieferen Sinne, ist. Um so rührender war die kindliche Eitelkeit, mit der dieser Pnblikumsfremdeste aller Autoren sich um seiu Berühmtsein sorgte. „Einmal — so erzählt ein Freund — fragte er mich ganz naiv: „Glaubst Du uicht auch, daß ich nun bald berühmt werde?" Ich antwortete: „Aber, Peter Hille, Du bist doch schon berühmt!" — Das wollte er kann: glauben. Immer wieder fragte er: „Wirklich? Glaubst Dir das wirklich?" und konnte sich vor Freude darüber kaum lassen!"

In Wahrheit ist der gute Peter selbst heute, wo er tot ist,, uoch nicht so recht „berühmt", und doch verdiente es seine Kunst wohl, daß man ihn kennte, nicht nur den Menschen vou absonderlichem Aussehen und absonderlichern Gebähten, deu alle bittere Lebensnot nberlächeln-den Weisen — sondern auch den Künstler, der neben gewaltigen Hausen von Gleichgültigen und Wirren doch auch ganz wundervolles geschaffeu hat, in einzelnen lyrischen Gedichten, in einzelnen Szenen seiner Dramen, in einigen Novellen und Skizzen. Und besonders fein war Hilles Kunst int Psychologischen stets dort, wo er voll hellhörigen Mitgefühls die Seele des Kindes belauschte — denn da sprach er vorn eigensten Innern.----------------

Wir haben nun schon vielerlei Typen des Boh6miens an uns vorüber ziehen lassen — Peter Hille ist anders als alle. Er hat nichts von der dämonisch tyrannischen Anarchistenart der Grabbe und Przybyszewsky, nichts von
        
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