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12. Paul Scheerbart und Peter Hille

Full text: Die Berliner Bohème / Bab, Julius

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Großstadt-Dokumente Bd. 2. Die Berliner Bohöme. 
wallenden Prophetenbart, über dem die großen, immer 
nach innen gerichteten blauen Augen leuchteten — und 
der lauge schwarze arg zerschlisseue Mantel, aus dessen 
Ueberhang zwei Hände hervorschimmerten — sein, schlank 
und zart wie Fürstenhände. So war Peter Hille an¬ 
zusehen, Wohl der heimatloseste Mensch in Berlin — wo 
er nach jahrzehntelangem Umherschweifen in der weiten 
Welt einigermaßen dauernd anzutreffen war — und doch 
vielleicht der friedvollste, beruhigtste — denn er war 
immer zu Haus, im Hause seiner immer tätigen Phantasie, 
seiner träumenden Seele, die über alle unablässige Not 
und Pein des körperlichen Seins unablässig gleichgemessene 
Fäden eines Netzes von tiesseeligem Weltschauen, heiterern 
Lebensgenuß spann. Peter Hille — obschon wenn es 
die Stunde gab, auch ein begeistert gewaltiger Zecher — 
brauchte nicht den ständigen Rausch des Alkohols, um 
ihn breitete die Schleier wirklichkeitentrückter Versnnken- 
hcit die nie ermüdende, immerfort tätige Produktions¬ 
kraft seines Geistes. Peter Hille schrieb Aphorismen, 
Essays, dichtete Gesänge, Szenen, Novellen — wo er 
ging, saß und stand, und auf jedes Stück Papier, be¬ 
druckt und unbedruckt, das ihm in die Hände fiel. Un¬ 
geheure, nie zu durchforschende Ballen von Manuskripten 
hat Peter Hille angehäuft — und wie solche Blätter 
ausschauten, das hat mit nur leichter Uebertreibung Bter- 
banm in seinem „Stilpe" geschildert: 
„Ein Konzeptbogen in Quartformat, der außer den 
ersten Szenen zu einem Drama zwei Kapitel aus ver¬ 
schiedenen Romanen, sechs Gedichte in Prosa, drei in 
Versen und außerdem etwa fünf Dutzend Aphorismen 
und verschiedene Essay-Brouillons enthielt, alles durch¬ 
einander geschrieben, erst Wagerecht, dann in senkrechten, 
dann in diagonalen Zeilen dazu." 
Daß diese sich schrankenlos entladende Produktion 
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