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12. Paul Scheerbart und Peter Hille

Full text: Die Berliner Bohème / Bab, Julius

Paul Scheerbart und Peter Hille.	63

Sonnen, der billiouenfachen Siriusweiten, ihm ist der Millionen Welten durchkreuzende Kometenflug ein mit* fühlbares Geschehen — und so kann er leicht und gleichgültig froh die kleinen Winzigkeiten dieses zwerghaften Nebensterns anschauen, genießen, wegwerfen — was ist es denn im Angesicht seiner tausend Sonnen, wenn sich Völker austilgen, wenn Berge beben, wenn sich Menschen lieben — wie lächerlich! „lieben!" — Was ist dem Geist, der zahllose Sonnensysteme in sich aufnehmen kann. denn solch Einzelgeschöpf der eigenen Gattung — Scheerbart ist ein tiefer Verächter der Erotik! Als man ihm boit dem „Zwei Menschen"- Buch seines Freundes Dehmel sprach, rief er voll tiefernster Entrüstung: „Was — da hab ich nu bewiesen, daß die Liebe Quatsch ist — und jetzt kommt dieser Mensch und schreibt ein ganzes Buch voll Liebe, Liebe, Liebe!! Lächerlich! Wiesentschieden — ganz lächerlich!!" — und das war ganz ehrlich gesagt, so ehrlich, wie er vielleicht wenige Stunden darauf die künstlerische Größe jenes Werkes preisen konnte. ----------------------

Es gibt einen Roman von Scheerbart, „Tarub, Bagdads berühmte Köchin" — er ist im Stil ein typisches Bohömienwerk; wie in Hoffmarms, Grabbes, Przybyszewskys Schriften ein unstet flackernder Stil — ein Stil, der eigentlich der Nichtstil ist, weil vor Verliebtheit, Genießerentzücken bei den tausenderlei Details nichts zur Gesamt-wirkurrg ausgeschieden, stilisiert wurde. (Denn Stilisieren ist eine zu drei Vierteln negierende Tätigkeit.) Daher denn auch irr der Tarub uuerrdliche Breiten, Gleichgültigkeiten, Fadessen, Wiederholungen — aber zwischendurch geniale Würfe von größter poetischer Kraft und im ganzen eine gewaltig hirrstürmende Linie, eine mächtige Komposition. Dieser Roman nun erlangt für das Studium der Boheme einen dokumentarischen Wert durch die Ge-
        
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