Path:
12. Paul Scheerbart und Peter Hille

Full text: Die Berliner Bohème / Bab, Julius

Paul Scheerbart und Peter Hille.	61

Wieder auftauchen, wieder verschwinden — innerhalb der relativ konstanten Bildungen derBohöme wieder Wandernde, Zigeuner gleichsam in der zweiten Potenz!

Der erste ist Paul Scheerbart, der Dichter großartiger kosmischer Phantasien, grotesker Träumereien, krausester Hmuore. Ein prachtvoller Mensch voll Leben und Absonderlichkeit, voll Tollheit und Naivität — dazu ein gar gewaltiger Trinker vor dem Herrn, der's wohl mit jedem Zecher, sei er von der sanguinisch-ironischen Art Hartlebens oder von der cholerisch - tragischen Przybyszewskis aufnimmt — ein Trinker von gleichmäßig genießender Heiterkeit und schier unverwüstlicher Ausdauer. Man trifft Scheerbart heut selten an, ohne daß ein leichter Flor des Berauschtseins über ihn und seinen Reden läge — aber dies leichte Schwanken der Worte, diese schnell wechselnde Richtung der Rede, das gehört dazu, das gibt dem unerschöpflich quellenden Reichtum seines Gesprächs ein rechtes Aroma. Im Dunstkreis eines leichten Berauschtseins gewinnen sie erst rechtes Leben und Farbe — diese schillernden Phantasien von grotesker Unmöglichkeit im ganzen und brüsker Realität im Detail, diese glänzenden Paradoxen der Weltweisheit, diese halblaut von Ironie übergossenen wehmütigen Menschlichkeiten, die dieser reiche Geist in nicht endender Fülle ans Licht bringt. Er spricht legere, hinwerfend, — dann wieder mit plötzlichem Pathos und starken Gesten — und „wiesentschieden" klingt es hinter jedem halben Satz — Wohl viele hundertmal die Stunde. Die Kundigen wissen, daß diese heut fast physiologisch mit Scheerbarts Sprachorgan verwachsene Formel ursprünglich: — „wie gesagt, entschieden!" — bedeutet. Und in dieser seltsamen Sprache tauchen nun die einzig Scheerbartschen Barock-einfälle ans Licht: da soll ein Antomobilcabaret gegründet werden, das alle Sonnabend auf der Chaussee zwischen
        
Top of page

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.