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11. Die neuromantische Bohème (Dehmel und Przybyszewsky)

Full text: Die Berliner Bohème / Bab, Julius

58 Großstadt-Dokumente Bd. 2. Die Bcriiner Boheme.

Tage miterlebten, ein seltsam schillernder Glanz. An originellen, selbständigen Weiblichkeiten hatte es ja weder dem Hartschen noch dem Friedrichshagener Kreise gefehlt, aber hier spielte, wohl zum ersten Male seit den Tagen der Marie Daehnhardt, der zeitweiligen Lebensgefährtin Stirners, eine Frau eine hervorragende Rolle in der Berliner Boheme. Männer wie Frauen, die sie kannten, sprechen mit gleich großem bewunderndem Staunen von diesem ganz einzigen Nixenwesen, das so unendlich wandlnngsfähig, so täglich anders gewesen sei, das einen so unsäglichen Zauber in Sprache und Gebärde, vor allem aber im Tanz besessen habe, und deren reicher, immer bewegter Geist kaum minder erstaunlich gewesen sei — als die unerschöpfliche Findigkeit und Skrupel-losigkeit, die sie den nie abreißenden materiellen Nöteu ihres Lebens gegenüber zeigte. Sie mich wahrlich die geborene Fürstin dieses Kreises gewesen sein.

Wie es nun in diesem Kreise zuging, darüber liegen — ganz abgesehen von ja noch unschwer zu erlangender mündlicher Kunde — mancherlei gedruckte Dokumente vor. So hat Bierbaum in dein letzten Teil seines „Stilpe" vier Größen der Schar: Przybyszewsky selbst, Meier-Graefe, Scheerbart und Hille als den „Casimir", den „Zungenschnalzer", den „Bärenführer", den „Peri-patetiker" recht getreu abkonterfeit und das Bild, das er von ihrem Treiben entwirft, deckt sich so ziemlich mit einer kleinen (erst nach seinem Tode in der ,Welt am Montag' gedruckten) Skizze Peter Hilles, die sich „Ein fideler Abend oder Grueu-Berliu iu der Verschwendung" betitelt und einen Abend im Zigeunerleben jener Tage schildert.

Kern und Ziel der Zusammenkünfte war iu allererster Linie doch der mit schier sakraler Hingebung betriebene Alkoholgenuß zwecks Erreichung des seelen-
        
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