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11. Die neuromantische Bohème (Dehmel und Przybyszewsky)

Full text: Die Berliner Bohème / Bab, Julius

Die neuromantische Boheme.	57

des Lebens Notdurft voll blutiger Niederlagen. Aber Scharf ist eine bei weiten: härtere, männlich brutalere Natur — er wehrt sich wild und zornig, wo der weiche Schlaf schweigt und leidet. Scharf hat wutfuukelnde Pfeile des Hasses gegen die Gesellschaft geschleudert, die ihn so getreten hat, er ist ein Bohömien, ein Gesellschaftsfeind ganz großen Stils. Manche seiner Gedichte, wie die „Nachtigall":

„Wenn ich zur Nacht aus dem Wirtshaus hiuke, wo ich Geld und Verstand vertrinke, wie meine Mutter und werte Magen mir des öftern belieben zu sagen —"

wie die fürchterliche „Liebeserklärung" mit dem höhnischen Kehrreim:

„Ich sage nicht, daß ich die Menschen hasse — im Gegenteil, ich liebe sie!"

oder das wildtrotzige:

„Ich bin ein Prolet, vorn Menschengetier bin ich von der untersten Klasse — ich bin ein Prolet, was kann ich dafür, wenn ich keine Zier eurer Rasse —"

— solche Gedichte sind in ihrer düsterpackenden Kraft und der wilden Innerlichkeit ihrer Wut Dokumente allerersten Ranges zur Psychologie des Bohömiens. —

Von allen Mitgliedern des Przybyszewskyschen Kreises aber hat keines bei allen Augenzeugen tieferen Eindruck hinterlassen als eine Frau: Ducha Przybys-zewsky, die Gattiu des Polen. (Sitte Dänin war sie von Geburt und vor wenigen Jahren hat sie, fern im Süden Rußlands ein sehr tragisches Ende genommen. Ueber ihrer Berliner Zeit aber ruht für alle, die jene
        
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