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11. Die neuromantische Bohème (Dehmel und Przybyszewsky)

Full text: Die Berliner Bohème / Bab, Julius

Die neuromanlische Boheme.	53

Dehmelsche Haus aber doch für die Berliner Bohöme hatte, war, daß sein Boden das friedliche Terrain abgab, auf dem sich die beiden großen Gruppen der Berliner BohSmiens, die ältere des Hart-Friedrichshagenschen und die jüngere des Przybyszewsky-Pankowschen Kreises, trafen und kennen lernten. Dehmel, der beiden bis zum gewisser: Grade angehörte, überbrückte die zeitweilig etwas gespannte Stimmung der Parteien und machte sich ein besonderes Vergnügen, die Fülle all der prächtigen Originale bei sich vereint zu sehen. An einem Tage der Weihnachtswoche hatte Dehmel in seiner kleinen Wohnuug — das „wie" wird immer rätselhaft bleiben — beide Heerlager in voller Stärke, an die fünfzig Mann, vereinigt. Es muß eine ewig denkwürdige Versammlung besonderer Menschenkinder gewesen fein, diese große Zigennerheer-schau unter dem Weihnachtsbmun. Nur soviel weiß ich von der seltsamen Feier zu berichten, daß sie von Peter Hille mit einer toternsten Rede aus die „Bürgermeister der Znknnst" gekrönt wurde, die stürmische Heiterkeit auslöste.

War Dehmel so in seinem Hause eine Art freundlicher Mittler und Wirt für die Zigeunerschaft Berlins, so war er außerhalb seines Hauses und der stilleren dort gepflegten Geselligkeit noch lange Zeit stnrmwilder Genosse der letzten großgearteten Bohöme Berlins.

Es war eigentlich wieder eine Vorortsbohöme: wie Dehmel wohnten die meisten ihrer Mitglieder in Pankow oder dem benachbartenNiederschönhausen — Przybyszewky, Scheerbart, Pastor, zeitweilig auch Strmdberg hatten dort ihr Quartier. Aber hier war der Vorort doch nichts Wesentliches, diese Bohömiens suchten nicht die Natur wie die Friedrichshageuer, sie lebten in der Großstadt. — In einem Lokal in der Wilhelmstraße, im „Schwarzen Ferkel", hatte sich zunächst ein „skandinavischer Stammtisch" gebildet, ihm gehörten neben dem hochgefeierten
        
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