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11. Die neuromantische Bohème (Dehmel und Przybyszewsky)

Full text: Die Berliner Bohème / Bab, Julius

52 Großstadt-Dokumente Bd. 2. Die Berliner Bohöme.

geübt ist und der bor allem ein prachtvoller Kmnpfer, ein kriegerischer Verfechter seiner Ideen voll unerschütterlicher Zuversicht und froher Selbstgewißheit ist. Da ist mich Dehmels innigster Freund, Detlev von Liliencrou, der herrliche Lyriker, der „Poggfred "-Dichter, selbst in schrankenloser Lebenslust und Lebenskraft, in permanenter materieller Misere und ewigem Schaffensglück ein Boh6mien von: Scheitel bis zur Sohle, wenn auch ohne jene dunklere dämonische Farbe, die den größten, den romantischen unter den Boh6miens eigen ist. Ein solcher aber, ein echter Sproß vom Stamme E. T. A. Hoffmanns, war auch iu diesem Kreise: Stanislaus Przybyszewsky, der polnischdeutsche Dichter, der mystisch-extatische Slave, der aller-differenzierteste Nervenmensch und tiefsinnigtolle Alkoholiker — und er eigentlich hat die letzte Berliner Bohöme großen Stils geschaffen. Denn der Kreis im Dehmelschen Hanse, dem doch auch sehr echt weibliche, fein und still gestimmte Frauen, wie Paula Dehmel, die erste Gattin des Dichters und selbst Schöpferin anmutreicher Kinder-lieder, und Hedwig Lachmann, eine der wenigen Dichterinnen unter den vielen Frauen, die heute Verse machen, angehörten, dieser Kreis stand, trotzdent es an lebendigen und wenig gezügelten Temperamentausbrüchen auch in ihm nicht gefehlt haben soll, im ganzen doch weit jenseits von dem, was man „Bohöme" nennen darf; hier war man doch schon in ausgeglichenere gepflegtere Formen übergegangen, nud jene anregnngsreichen Zusammenkünfte im Dehmelschen Hanse, von denen man kaum je anders als im Tone dankbar freudiger Erinnerung sprechen hört, mögen in ihrer freien, nur durch die Selbstbeschränkung verfeinerter Instinkte gebändigten Art eine sehr glückliche Mitte innegehalten haben zwischen dem Wesen eines Bohöme-Konvents und dem, was man gemeiniglich „Hieratischen Salon" benennt. Die Bedeutung, die das
        
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