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11. Die neuromantische Bohème (Dehmel und Przybyszewsky)

Full text: Die Berliner Bohème / Bab, Julius

Die neuromantische Bohäme. 51 
11. 
(Debmel und Przybyszcwsky) 
Die Abwendung born demokratischen Sozialismus, 
die, wie wir sahen, sich zu Anfang der neunziger Jahre 
vollzog, lieft auch das künstlerische Schaffen in eine neue 
Phase treten. Ueber den schnell an seiner inneren Leere 
hinsiechenden „konsequenten Naturalismus" ging die neue 
Mode des sogenannten „Symbolismus", die „Neu- 
romantik" hinweg — und was wichtiger war: einige 
selbstherrliche starke Künstlernaturen erschienen auf dem 
Plan, um unbekümmert um soziale Richtungen und 
ästhetische Moden ihrer Individualität Ausdruck zu ver¬ 
schaffen. Der stärkste von ihnen war in Berlin zweifel¬ 
los Richard Dehmel, vielleicht überhaupt das stärkste 
Talent, das die Literatur-Revolution vorn Ende des 
19. Jahrhunderts in Deutschland emporgebracht hat. 
Dehmel spielte schon seit geranmerZeit unter denFriedrichs- 
hagenern und in den Kreisen der „Freien Bühne" eine 
Rolle; zu Beginn der neunziger Jahre hatte er sich ver¬ 
heiratet und seine Häuslichkeit in Pankow bildete jetzt 
den Sammelpunkt der innerlich fortgeschrittensten, stetesten 
und eigenartigsten Köpfe Berlins. Die Harts tauchen 
hier wieder auf, der bekannte Mediziner Dr. Schleich und 
der erstaunlich vielseitige, letzthin als Nationalökonom 
am bekanntesten gewordene Franz Oppenheimer, ein 
Schwager Dehmels, — eine rechte Renaissancenatnr, 
dessen stählerne Kraft auf nicht weniger zahlreichen Ge¬ 
bieten des körperlichen Sports als der Geisteswissenschaft
        
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