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9. Berliner Bohème um 1890

Full text: Die Berliner Bohème / Bab, Julius

42 Großstadt-Dokumente Bd. 2. Die Berliner Boheme. 
jener Tage in seinen Versen: Otto Erich, Stndententage- 
buch 1886—1886. (Zürich 1887.) 
Wenn wir uns küssen, lieben wir uns heiß! — 
Sind wir getrennt, born andern keines weiß. 
Ist das die echte Lieb? Ich glaub es kaum — 
Deu Wem der Jugeud krönet leichter Schaum. 
Oder in jenen: Gedicht, das mit der Strophe: 
„Nun reicht mir den vollen Humpen 
In: Kreise der Zecher herum! 
Nun lasse sich keiner lumpen 
Das Leben ist gar zu dumm!" 
anhebt — und noch erheblich verwegener schließt.  
Und was für köstlich boshafte Skizzen hat er nicht von 
seiner Umgebung gemacht, von all den wild imgeberdigen 
„Genies", die ihn umgaben. Etwa: 
Achtung! Ein Naturalist! Laust! Macht, daß ihr ihm 
aus dem Weg kommt! 
Hat euch der Kerl erst gesehn — steht ihr im nächsten 
Roman. 
oder: 
Wir berufen zur Tat, zum Werke der kommenden Zeiten, 
Mutlos sitzen wir da, fehlt uns — der Dritte zum Skat. 
oder: 
„Bitte doch sehr, mich nicht mit der übrigen Welt zu 
verwechseln. 
Ich bin ich!" — Mehr nicht! Aermster! Da sind Sie 
was rechts. 
Hartleben, der das stolze „Ich bin Ich!" mit mehr 
Recht und Bedeutung von sich selbst sagen darf, lebt 
heute fern von aller Geselligkeit, der zigeunerhaften, wie
        
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