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9. Berliner Bohème um 1890

Full text: Die Berliner Bohème / Bab, Julius

40 Großstadt-Dokumente Bd. 2. Die Berliner Boheme.

Werden bamt weiter ganz anschaulich beschrieben: Wie itt der Künstlerbude 15 Menschen eng aneinandergepfercht zwar Raum, aber feilte Sitzplätze finden, wie man sich durch Ausleihen von Stühlen und Bücherhaufen hilft und als „Krönung des Ganzen" gar eine — Hängematte durch den Raum spannt, den ein paar bunte, schon angesengte Lampions „märchenhaft" erhellen. Nachdem tiefsinnige Gespräche mit tiefpoetischen Ergüssen abgewechselt und zahlreiche Zwiebelleberwurststullen vertilgt sind, wendet man sich intensiv den mühsam erpumpteu Bierflaschen zu — die Stimmung wuchs und „zuletzt arrangierte man den Pfahlbauertanz, indem alle in einer festgegliederten Kette um den Tisch hernmhopsten und

dabei „Hu, hu, hu!" ausriefen."--------------------

Das Buch Fischers, der sich durch feine Studieu „Unter den Armen uud Elenden Berlins" bekannt gemacht hatte, erregte einst einiges Interesse; heut ist es vergessen uud nicht mit Unrecht. Es gehört zu jener unglücklichen Gattung von Büchern, in denen der Autor stillos zwischeu historischer Darstellnng und freier poetischer Gestaltung hin und her laviert und deshalb weder das wissenschaftliche Interesse, noch die künstlerische Ergriffenheit wachzurufen vermag. Uns ist das Buch immerhin interessant als ein Symptom für die beginnende Selbstbeobachtung iuuerhalb der Berliner Bohöme. Die Künstler fingen an, die Reize dieses Milieus bewußt zu empfinden und zu gestalten. Damals ist Wolzogens vorerwähnte Komödie „Lumpengesindel" entstanden, die nach dem Modell des ehemaligen Hartschen Kreises gearbeitet ist. — O. I. Bierbaums Roman „Stilpe" gehört mit seinem Bohömekapitel der Entstehungszeit und den Modellen nach einer späteren noch zu betrachtenden Periode an; es mag hier aus diesem stark autobiographisch wirkenden Buch nur mitgeteilt sein, daß es in den ersten
        
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