Path:
8. Friedrichshagen

Full text: Die Berliner Bohème / Bab, Julius

36 Großstadt-Dokumente Bd. 2. Die Berliner Bohvine.

weitere Kreise gewesen sei, eine hervorragende Rolle in der Kolonie gespielt habe. Noch schwärzere Wirtschaftsverhältnisse deutet eine Anekdote an, die so berichtet: Bisweilen geschah es, daß unter den Mitgliedern der Kolonie gesammelt ward — und vorn Ertrage der gesammelten Summe kaufte man — ein Eisenbahnbillet dritter Klasse nach Berlin. Alsdann ward einer der Männer	mit	diesem Billet	ausgerüstet	uud nach Berlin

entsandt,	auf	daß er einen	Pump aufnehme. Kehrte er

dann nach geraumer Zeit per Bahn zurück, so ward er jubelnd begrüßt, denn dies allein war schon ein Zeichen, daß seine Mission gelungen sei. Andernfalls kehrte er erheblich später, tief betrübt und zu Fuß heim -- woher hätte er noch das Kapital zur Rückfahrtskarte nehmen sollen? — — — Also erzählen Gerüchte, für deren Wahrheit ich	hier nicht einstehen will,	denn gewiß hat,

nachdem	die	Oeffentlichkeit	erst einmal	begonnen hatte,

von den Friedrichshagenern Notiz zu nehmen, eine starke Legendenbildung um sich gegriffen. Aber für folgende Vorgänge habe ich den Bericht eines sehr authentischen Zeugen: Als Julius Hart in Friedrichshagen Hochzeit feierte

— ein Ereignis, das man doch immerhin als wesentlichen Markstein auf dem Wege zur Verbürgerlichung ansehen sollte

— da tanzten zwei Männer, deren Persönlichkeiten uns noch später sehr beschäftigen werden mit geschwungenen Likörflaschen einen sehr — aber auch schon sehr ekstatischen Masurek. Danach hoben die beiden — es waren Stanislaw Przybyszewsky und Richard Dehmel — den deutschen Dichter und Phantasten Prntl Scheerbart aufs Podium uud versteigerten ihn meistbieteud. Für eine Batterie Cognac

ward er losgeschlagen.   Man berichtet, daß Friedrich

Lange, der als Besitzer der „Täglichen Rundschau" damals Chef der Harts nnb zu Gaste war, sich in seinen: bürgerlichen Gemüte ob solchen Gebahrens schwer ent-
        
Top of page

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.