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6. Die Brüder Hart

Full text: Die Berliner Bohème / Bab, Julius

28 Großstadt-Dokumente Bd. 2. Die Berliner Boheme.

und stolz darauf — stets in unberechenbar jähem Wechsel von Zorn und Liebe, selbstbewußter Lebensfreude und aschgrauer Todesstimnumg.

Dann war da Karl Henckel viel rrchiger, breiter, normaler in seiner ganzen Art; Hartleben taucht in diesem Kreis zuerst aus — vor allem aber Herrmann Couradi. Conradi „mit seinem bleichen, moquanten Gesicht, nm-slanimt von goldrotblonder Lockenniähne, mit geistreich blitzenden Pincenezgläsern vor den übermütig gekniffenen, scharfen Grauaugen, die imvernieidliche Zigarre im Mundwinkel" — so hat ihn ein Jugendgenosse geschildert. Conradi war mit seiner unselig gerissenen, wildwüsten, aber durch und durch genialischen Natur vielleicht der eigentlichste Bohmnien, der echteste Zigeuner in dieser Schar. Er, dessen feurige, großzügige Programmschriften einen ganz anderen Geist atmen, als ihn später mit mehr Erfolg die kleinen Prediger des Naturalismus, die Holz und Brahm, verkündeten, er, der in Lyrik und Roman neben Unfertigem, Rohem so viele Proben höchster Begabung abgelegt hat und der dann so tragisch früh und unvollendet dahin sank, hat vielleicht in diesen: Kreise die meiste Aehnlichkeit mit den großen Berliner Bohomiens der romantischen Periode, mit Grabbe zumal. — Die Harts waren wohl das Haupt dieser Boheme — aber nicht in dem Sinne lote Grabbe, daß sie mit der Gewalt ihres Wesens dem Kreise erst das Zigeunergepräge aufgedrückt hätten. Viel eher können sie als lächelnde, genießende Zuschauer gelten, die, meist an Alter und wohl stets an Reife und Erfahrung den Genossen überlegen, diesen Zuflucht und Stütze, ja selbst eine Art Heim bieten und so eher dazu beitragen, beit spezifischen Boheme-Charakter des Kreises zu mindern. Was sich an Zigeuner-tnm doch so reichlich iu ihrem Kreise fand, das brachte außer jenen typischen Faktoren: dem rebellischen Geist
        
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