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5. Zwischenzeit (1850-1880)

Full text: Die Berliner Bohème / Bab, Julius

Zwischenzeit.	21

Was wir im folgenden Jahrzehnt an literarisch-künstlerischen Klubs finden, wie den „Tunnel über der Spree", von dem uns sein Mitglied Theodor Fontäne so launige Berichte gegeben hat, ftitb doch nur Zusammenkünfte bürgerlich mehr oder minder wohlsitnierter und recht gesetzter Herren, die nebenher der Poesie und Geisteswissenschaft beflissen waren, und auch die paar wirklichen Dichter, die sich da finden, wie Th. Fontäne selbst und vorübergehend sogar unser herrlicher Theodor Storni, waren teils durch ihr reifes Alter, teils aber durch ihre ganze Naturanlage in Lebensführung und Lebensauffassung nichts weniger als Bohomiens. So scheiden denn diese (in anderer Hinsicht so interessierenden) Kreise ganz aus unserer Betrachtung aus.  ----------------

Aus den sechziger und siebziger Jahren sind uns, z. B. durch die Schauspielermemoiren von Emil Thomas, mancherlei Zechbrüdergenossenschaften bekannt, die teils bei Dressel unter deu Linden, teils bei Siechen in der Burgstraße (dort nannten sie sich — lucus a non lucendo — die „Griechen"!) ihren Sitz hatten und sich wahrscheinlich für wahre Teufelskerle von Zigeunern hielten. Wer aber diese Tafelrunden und ihre Vergnügungen näher besieht, der findet, daß diese Gemeinschaft von Theaterleuten, Mimen, Journalisten 2c. eine verzweifelte Aehnlichkeit mit einem biederen Philisterstammtisch hatte, wenn man mich etwa mal die Zeche länger schuldig blieb, als es sich für gute Bürger schickte. Schulden haben allein ist aber wirklich noch nicht das Kriterium des Bohomiens. Diese etwas bummliger:, aber ganz praktisch veranlagten Biederleute mit der Bierlustigkeit und dem gastronomischen Enthusiasmus sahen im ganzen in der Kunst doch nur den Bernfszweig, zu dem sie gerade Sympathie und einiges Talent mitbekommen hatten, wie ein anderer zum Wollwarenhandel — ein
        
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