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4. Die "Freien" bei Hippel

Full text: Die Berliner Bohème / Bab, Julius

18 Großstadt-Dokumente Bd. 2. Die Berliner Bohöme.

und Größe sog mtb durch die Wucht feiner robust runden, ganz neuartigen Sprache gelvaltige Wirkung getan hat, daß dieser Mann, den man nicht mit Unrecht den einzigen wirklichen Theoretiker des Anarchismus genannt hat, gerade inmitten der Geschichte der Berliner Bohöme steht, ist zum mindesten ein Diel bedeutendes Sinnbild. Denn was ist „Boheme" int Grunde anderes als ein friedlicher Versuch zu praktischem Anarchismus, d. h. zur Bildung eines unbeherrschten Lebenskreises außerhalb der

staatlich organisierten Gesellschaft?! *)

Das wertvollste, was wir über die Bohöme jener Tage wissen, verdanken wir denn auch dem Biographen Stirners John Henry Mackay, der in seinem Stirner-Werk ein großes Kapitel über die „Freien" geschrieben hat, in dem zahlreiche Daten mit Liebe unb emsiger Arbeit gesammelt sind. — Uebrigens war Stirner ein ruhiger, stillvergnügter Zuschauer in dem sonst so lärmend lauten Kreise bei Hippel. Nach dem wenigen, was wir von dem Verfasser des „Einzigen" wissen, kann seine starke und in so einziger Art selbstbewußte Individualität nicht stürmisch aktiven Wesens, nicht leidenschaftlich bewegt gewesen sein — eher mag seine mit feinem skeptischem Lächeln zuschauende, mit kritischem Behagen genießende, stille Nahn’ etwas Dom epikuräischen Wesen eines alten Philosophen gezeigt haben. Der einzige der Dielberedeten „Streiche" der Freien, der mit Stirners Namen in wesentlicher Verbindung steht, ist die in Derschiedenen Versionen überlieferte Geschichte Don der Trauung Stirners mit einer Genossin der Freien: Marie Dähnhardt. Wie diese Geschichte sich auch Derhalte, — daß die Trauung

‘) Daß das hier int ungenauen Sinne des gewöhnlichen Sprachgebrauchs zur Charakteristik der Bohöme angewandte Wort „Anarchismus" für wissenschaftliche Terminologie unzureichend ist, soll erst an späterer Stelle gezeigt iverden.
        
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