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4. Die "Freien" bei Hippel

Full text: Die Berliner Bohème / Bab, Julius

seine Dozentenstellung in Bonn gekostet hatten. Zu ihm 
standen sein jüngerer Bruder Edgar, der Literat Ludwig 
Buhl, der Journalist Friedrich Saß und viele andere. 
Auch Frauen tauchen in diesem Kreise bereits auf; nach¬ 
mals bekannte Poeten, wie Wilhelm Jordan, Gottschall, 
Streckfnß toben hier als junge Studenten ihren ersten 
Kraftrausch aus. Mitglieder einer sanfter gearteten Ver- 
einiguug, „Rnetli" genannt, weilten zu Zeiten unter den 
Freien, so der Possendichter Misch und seine beiden Mit¬ 
helfer am „Kladderadatsch", der geistreiche und tempe¬ 
ramentvolle Ernst Dohm und Loewenstein, der bekannte 
Kinderlieder-Dichter. Aber auch historische Namen aller¬ 
ersten Ranges zählten eine Zeit lang zu deu „Freien": 
Karl Marx und Friedrich Engels waren während ihres 
Berliner Aufenthaltes, der eine als Student, der andere 
als Einjähriger bei der Gardeartillerie, ständige Gäste 
bei Hippel. Als gelegentliche Besucher erschienen Männer 
wie Herwegh und — einmal und nicht wieder der radikale 
Philosoph Arnold Rüge, ein pedantischer Doktrinär, der 
den „Freien", deren Ton ihm zu frei schien, eine 
donnernde Moralrede hielt und fürchterlich ausgelacht 
wurde. Aber wichtiger als diese zeitweiligen Mitglieder 
ist für die Bedeutung des Kreises ein Mann geworden, 
der ihm von Anfang bis zu Ende angehörte: Max 
Stiruer, der eigentlich Johann Kapar Schmidt hieß, 
initer dein Namen Stirner aber der Weltgeschichte ange¬ 
hört als Verfasser des Werkes „Der Einzige und sein 
Eigentum" — das einzige Gedankengebäude großen 
Stils in der Geschichte der Philosophie, das seinen Verfasser 
im tiefsten Sinne des Wortes znnt „Anarchisten" stempelt, 
d. h. zmn Leugner und Befehder aller Ideen und Gesetze, 
durch die Menschen zu sozialer Vereinigung genötigt 
werden. Daß dieser Prediger der Herrschaftslosigkeit, 
dessen Werk gerade aus seiner blinden Einseitigkeit Kraft
        
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