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3. Die Bohème der Romantiker (Grabbe und Heine)

Full text: Die Berliner Bohème / Bab, Julius

14 Großstadt-Dokumente Bd. 3. Die Berliner Bohöme.

3.

Die JMeme lter fiotufliiftte

(Grabbe und Reine)

Im Todesjahre Hoffnranns kam Dietrich Christian Grabbe nach Berlin.

Grabbe — in seinem Leben und seinem Schaffen, seinen Stärken und Schwächen, seiner Entwicklung und seinem traurigen Untergang vielleicht der typischste „Bohörnien", den Deutschland je hervorgebracht hat. Heimat- und ruhelos iu seiner tiefsten Natur, Herrschaftsund zügellos in all seinem Sein und Tun, vermochte er niemals sich den ruhigen eindämmenden Formen der Gesellschaft anzupassen, als ein Zigeuner, ein sozialer Außen-seiter hat er gelebt und geendet. Von der Art wie sich der damals 21jährige und schon in gefährlicher Weise dem Alkohol ergebene Dichter des „Herzog Theodor von Gothland" gebärdete, geben einige Andeutungen seines Biographen Ziegler einen Begriff: „Grabbe ward angestaunt, wenn er sich in seinen Sonderbarkeiten gehen ließ, unter anderem gleichgültig die Hände in den Taschen seiner blauen Hosen die Straße herunterschlenderte und dann und wann wie ein alter Hexenmeister, um einen Brunnen zwei- oder dreimal herumging, oder wenn er sich von seinen borstigen Haaren einige abschnitt, und schwur, er wolle mit diesen Spießen 99 Poeten und Literaten totstechen."

Und der Geist dieses Menschen beherrschte nun mit schier gewalttätiger Kraft die jungen Literateu iu der Weinstube am Gendarmenmarkt. In diesem Kreis, wo immerhin der große Devrient noch zuweilen erschien und in der Weinlaune gewaltige Stücke seiner Kunst, ein-
        
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