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2. Die Bohème der Romantiker (Hoffmann und Devrient)

Full text: Die Berliner Bohème / Bab, Julius

Die Bohöme der Romantiker I. 
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die wir seit 2365 Jahren kein gescheutes Wort unter vier 
Augen geredet haben, heute mit Nutzen zusammen früh¬ 
stücken könnten. 
3. Da Pücklerscher Salat ein gutes Essen und Port¬ 
wein ein gutes Getränk für magenschwache Menschen, als 
wir beide sind (ich kacke seit gestern beträchtlich und kamt 
nicht ausgehen), ist, so hoffe ich mit Recht, daß wir nebst 
geistiger Nahrung auch mit körperlicher uns leidlich stärken 
könnten. 
Also! 
Ziehe, o Bester, Stiefeln an und eile 
zu Deinen: treuen 
Geheim-Archivarius 
Luidhorst. 
Das Zigeunerleben der Beiden, das sich in dem 
barocken Humor dieses Briefes so charakteristisch spiegelt, 
empfing aber Bedeutung und inneren Sinn dadurch, daß 
es als Lebenselement zweier großer Künstler erkennbar 
wurde, die eben damals ihre bedeutendsten Werke schufen, 
deren Eigenart eben eine solche Lebensweise verlangte, 
um sich ganz — toll und voll — entfalten zu können. 
Das Treiben des Freundesbundes fand ein bitteres 
Ende als Hoffmann am 13. Juni 1822 an der Rücken¬ 
markschwindsucht starb, bis zuletzt ein mutighöhnender 
Lebenskümpfer. Devrient hat den Freund noch um ein 
volles Jahrzehnt überlebt und ist gewiß im wesentlichen 
seiner alten Lebensweise treu geblieben; aber seine Höhe 
war künstlerisch und menschlich vorüber und nie mehr hat 
er im gleichen Grade im Vordergründe des Berliner 
Lebens gestanden, wie znr Zeit seiner Genossenschaft mit 
E. T. A. Hoffmann. Dieser hatte indes fast unmittelbar 
bei „Lutter und Wegner" einen Nachfolger im Zigeuner¬ 
reich gefunden.
        
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