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2. Die Bohème der Romantiker (Hoffmann und Devrient)

Full text: Die Berliner Bohème / Bab, Julius

10 Großstadt-Dokumente Bd. 2. Die Berliner BohLme.

und den funkelnden Genieaugen, die so vielem Lebenswirrsal, innerer Bitternis und äußerer Not so gerade ins Gesicht zu sehen wußten, mit höhnendem Humor, aber wenn's Not tat, auch mit mannhaftem Ernst. In diesem reichen, überall hiusühlenden Menschenleben verdient der Kammergerichtsrat kein geringeres Gedächtnis als der Herr dreier Künste — nicht wegen spezifisch juristischer Leistungen, sondern um des stolzen und kühnen Trotzes willen, mit dem der kleine Kammergerichtsrat zu Berlin, die Sache des von behördlicher Seite arg beschimpften Friedrich Ludwig Iahn Wider Justizminister, Staatskanzler und König verfocht. Diese unbeugsame Gradheit, dies zähe Selbstgefühl, mit dem hier der Richter für das Recht eintrat, ließ auch den Künstlermenschen Hoffmann aller Art krummer Gesellschaftskonvention Trotz bieten, ließ ihn höhnische Fehde führen mit vielerlei Philistertum, gab ihm den excentrischen außergesellschastlicheu Zug des Bohömiens — und hat ihm bei allerhand zeitgenössischen und Posthumen Philistern denn auch glücklich den Ruf eines wüsten „charakterlosen" Gesellen eingetragen. Der Genosse, mit dem Hoffmann sein Leben lebte, mit dem er in engster Freundschaft verbunden den Berlinern zum ersten Mal das Schauspiel einer nicht nur äußerlich viel beachteten, sondern auch innerlich bedeutsamen Bohöme gab, war Ludwig Devrieut, damals der große Bühnenkünstler Deutschlands. In Devrient, dem dämonischen Gestalter des Franz Moor und Lear, des Shylok und Falstaff, der ganz Berlin im Bann seiner genialen Persönlichkeit hielt, war das tiefste Wesen der Schanspiel-knnst in höchster typischer Form beschlossen und damit alles, was den Schanspieler ursprünglich zum Zigeuner, zum Außenseiter der Gesellschaft prädestiniert. Der Künstler auf der Bühne, der unter Einsetzung des eigenen Körpers in jedem Augenblick den heiligen Moment des Schaffens
        
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