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Der Kassenbote

Full text: Berliner Banken / Bernhard, Georg

76 Großstadt-Dokumente Bd. 8. Berliner Banken.

person des Chefs. Selbst wenn aus dem Privatkonto schwere Gewitterwolken dräuten und wenn das Personal ängstlich darauf wartete, dah der zündende Funke unter ihnen einschlagen würde, blieb das Gesicht des alten Boten unbeweglich, und ihm wagte der Donnerer auch nicht im Zorn zu nahen. Der Bote, der womöglich schon vom Vater ererbt war, der bei den Diners servierte, dessen Frau als Kochfrau, Tafeldeckerin oder womöglich gar als Kinderfrau im Hause des Chefs tätig war, bildete eine Art Mittelsperson Zwischen der hohen Geschäfts-regierung und den Negierten. Er war namentlich der Mentor der Lehrlinge. Er eröffnete ihnen die Geheimnisse des Kopierbuchs und der Portokasse, er zeigte ihnen, wie man ordnungsmäßig einen Wechsel präsentiert oder einen Effektenposten einliefert, er war der Vertraute [ihrer ersten Liebesgeheimnisse und ihrer Geldsorgen. In manchem Welthaus befindet sich heut noch solch ein Exemplar aus alter Zeit, vor dessen grabet Grobheit das dem Hause vorstehende Mitglied der Hautefinance genau so viel Respekt hat, wie der jüngste Volontär.
        
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