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Der Kassenbote

Full text: Berliner Banken / Bernhard, Georg

74 Grohstadt-Dokumente Bd. 8. Berliner Banken.

Dank des Berliner Aassenvereins lag, die Boten nach Erledigung der wichtigsten Besorgungen sich zu einem kleinen Imbiß vereinigten und dann manchmal untereinander Bestellungen, die in entlegene Gegenden führten, austauschten. Mir ist kein Fall bekannt geworden, wo dieses Vertrauen getäuscht worden ist.

Die Bank des Berliner Kassenvereins bildet überhaupt das Zentrum des Berliner Votenlebens. Zedes Geschäft muß zu ihr, die den gesamten Esfektenverkehr Berlins vermittelt, mindestens zweimal am Tage schicken, und da sie gegenüber von Hedwigskirche und Opernhaus im Mittelpunkt des Bankenviertels liegt, so ist hier gewissermaßen das Stelldichein all dieser Ausläufer. In ihrer Kleidung überwiegt heut die Uniform der verschiedenen Banker:. Aber auch die Zivilisten sind leicht als Kassenboten erkenntlich durch die Sorgfalt, mit der sie ihre Geldtaschen in den verschiedensten Formaten teils unter dem Arm tragen, teils mit der Hand den umgehängten Lederbeutel sorgsam beschützen. Die alten typischen Kassenbotengestalten, die stolz das eiserne kreuz oder die Verdienstmedaille im Knopfloch tragen, beginnen zwar allmählich zu schwinden und jüngeren Elementen Platz zu machen. Aber all diese Voten zeigen in ihrem Auftreten etwas Vornehmes, wie es bei den Dienern herrschaftlicher Häuser üblich ist. Sie sind sich sehr wohl der Würde, Millionen zu vertreten, bewußt, und sie pflegen sich auch untereinander nur selten mit ihren Namen zu nennen, sondern bezeichnen sich vertraulich im DuzKom-ment als Bleichröder, Warschauer, Mendelssohn usw. Und je nach dem Haus, das er vertritt, wird der Bote im Kreise der Berufsgenossen respektiert

Die Bezahlung der Kassenboten war einst eine Überaus gute. Sie ist aber selbst unter den heutigen reduzierten Verhältnissen noch relativ viel besser als die bet
        
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