Path:
Der Bankbeamte

Full text: Berliner Banken / Bernhard, Georg

 	Der	Bankbeamte.	69

Angestellten auf den Banken für dauernd und durchaus sicher. Aber die großen Bankkrachs und die jetzt überwundene Zeit der letzten Krisis haben den Bankangestellten doch mehr und mehr vor Augen geführt, daß sie im Grunde genommen das Los aller proletarischen Existenzen, die Unsicherheit der Lebensführung, teilen.

Diese Proletarier-Existenz lastet aus den Bankangestellten beinahe mehr, wie auf dem besseren Handarbeiter. Wenn schon nicht seine bessere Schulbildung, so verlangt der Wille seiner Vorgesetzten, daß er in anständiger Kleidung den Dienst versieht. Er fühlt sich verpflichtet, seine Kinder gut erziehen zu lassen, kurzum sein Etat ist mit Verpflichtungen aller Art so schwer belastet, daß an Ersparnisse für die Zukunft gar nicht oder doch nicht in gewünschtem Maße zu denken ist. Die meist üblichen Weihnachts- und Abschluß-Gratifikationen reichen gewöhnlich gerade dazu hin, die größeren Ausgaben, die die Saison mit sich bringt, zu decken. Die meisten Banken haben deshalb auch Unterstützungs- und Pensionskassen eingerichtet. Diese Kassen tragen am meisten dazu bei, in die Köpfe der Bankangestellten die Fiktion einzuprägen, sie seien Beamte. Aber nur bei ganz wenigen Banken ist das Pensionswesen durch feste Regel geordnet und unter die Mitwirkung der Beamtenschaft gestellt. In den meisten Instituten dagegen bilden die Pensionskassen lediglich Dispositionsfonds, aus denen ganz nach Gunst die Direktoren ihre Gaben verteilen können. Allmählich beginnt sich in der Angestelltenschaft eine Art Gewerkschaftsbewegung zu entfalten, die hoffentlich dahin führt, die Pensionsfrage, zunächst im Wege der statutarischen Vereinbarung, später auch durch die Gesetzgebung zu regeln. Wie wichtig eine solche Regelung ist, hat erst der jüngst erfolgte Zusammenbruch der Hypothekenbanken gezeigt. Die Beamten jener Banken, die
        
Top of page

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.