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Der Bankbeamte

Full text: Berliner Banken / Bernhard, Georg

64 Großstadt-Dokumente Bd. 8. Berliner Banken.

Verhältnis aufgeklärter Industriedespoten zu ihren Arbeitern bezeichnet. Die Grundlage bildete hier vielmehr das Gefühl nicht nur beruflicher, sondern auch sozialer Zusammengehörigkeit. Die Lehrlinge im Bankgewerbe rekrutierten sich zu einem Teil aus den Söhnen von Geschäftsfreunden, zum andern Teil aus solchen jungen Leuten, die in der Schule etwas besonders Tüchtiges gelernt hatten. Man forderte fast durchgängig das Abiturientenzeugnis einer höheren Lehranstalt. Das war auch [bis zu einem gewissen Grade notwendig, weil in der verhältnismäßig kurzen Lehrzeit — sie dauerte in der Regel nur zwei Jahre — mannigfaltige Kenntnisse erworben werden mußten. Das Aassawesen, die Buchführung, der Wechselverkehr, der Handel mit Wertpapieren und Coupons sowie ihre Behandlung mußte der BanKKommis beherrschen. Dazu kam die Technik der Börse mit all ihren verschiedenen Verkehrsarmen, vom einfachen Kassageschäft bis zum schwierigen Stellage-handel, von der einfachen Arbitrage zwischen Börsenplätzen mit gleichen Usancen bis zur Goldarbitrage. Man wählte wohl auch die Forderung einer höheren Schulbildung als Mittel zu dem Zweck, nicht allzu junge Leute in einen Betrieb nehmen zu müssen, der immerhin doch durch den direkten Verkehr mit dem Gelde und durch den Besuch der Börse eine Menge von Anfechtungen bot, wie kaum ein anderer Beruf. Die Ausbildung war eine durchaus gründliche. Die meisten Lehrlinge bekamen gar kein Gehalt, sondern wurden durch ein sich oft schon im ersten Jahre auf mehrere hundert Mark belaufendes Weihnachtsgeschenk entschädigt. Dadurch erhielten sie von vornherein mehr den Charakter von Volontären; den Chefs boten sie keine billigen Ausbeutungsobjekte, sondern was sie leisteten, war ein Entgelt für ihre Ausbildung.
        
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