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Krawattenbankiers

Full text: Berliner Banken / Bernhard, Georg

Krawattenbankters.	(jl

dessen sein Darlehnsgesuch abschlägig beschieden werden muß. Das ist zwar ein Betrug, aber vielfach für die Abgewiesenen noch die beste Lösung. Denn nur sehr selten kommt es vor, daß das Geld wirklich zu einigermaßen anständigen Bedingungen gegeben wird. Zinsen und Provision halten sich zwar meist in den gesetzmäßigen Grenzen, aber entweder muß — wie es zum Beispiel beim Offizierswucher üblich ist — der Schuldner den Wechsel über einen viel höheren Betrag, als er wirklich empfing, ausstellen, oder ihm wird vorn bewilligten Darlehn unter allen möglichen Vorwänden so viel abgezogen, daß das, was er wirklich in bar empfängt, wenn er nicht raffiniert vorher schon etwas auf die notwendige Summe aufgeschlagen hat, nicht einmal dazu genügt, die Verpflichtungen zu erfüllen, wegen deren er sich in die ganze Affäre einließ.

Ein besonders üblicher Trick ist, das Geld nur zu geben, wenn der Schuldner sich gleichzeitig in eine Lebensversicherung einkauft. An und für sich ist ja die Forderung, daß eine Sicherheit auch fiir den Fall des Todes des Darlehnnehmers geschaffen wird, nicht ungerechtfertigt. Aber damit, daß jemand, der 2000 Mark sich borgt, in gleicher Höhe sein Leben versichert, ist dem Herrn Geldgeber natürlich nicht gedient, denn er bekommt mindestens 1% der Versicherungssumme als Provision und hat deshalb selbstverständlich ein Interesse daran, aus eine höhere Versicherung zu dringen. Ost wird bei einem Darlehn von 2000 Mark eine Versicherungssumme bis zu 10000 Mark gefordert. Natürlich wird die Abtragung der Schuld dadurch außerordentlich erschwert. Denn in sehr vielen Fällen wird der Schuldner nicht in der Lage sein, neben Zinsen und Provisionen, die in jedem Vierteljahr neu bezahlt werden müssen, auch noch die sehr hohe jährliche oder vierteljährliche Versicherungsprämie aufzubringen.
        
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