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Krawattenbankiers

Full text: Berliner Banken / Bernhard, Georg

Krarvattenbankiers.	59

schreckender Deutlichkeit gezeigt, daß diese hohen Bedingungen oft bewußt von den Geldgebern dazu ausgebeutet werden, kaum ausgebaute Häuser möglichst billig wieder in ihren Besitz zu bringen.

Aber es wäre eine Täuschung, anzunehmen, daß solche Wucherpraktiken nur im Baugeschäft im Schwange sind. In der letzten Zeit sind vielfach Fälle bekannt geworden, wo momentane Geldverlegenheiten der Inhaber großer Geschäfte oder der Söhne reicher Väter selbst von Aktienbanken und von bis dahin angesehenen Bankiers ausgebeutet worden sind.

Der mit dem Gesetz wohlvertraute Bankier betreibt natürlich den Wucher nicht itt der einfachen Form, wie die kleinen Hyänen des Geldmarktes. Der Zinssatz, den er fordert, wird immer mäßig sein. Aber er verschleiert das wucherische 2un, er gibt dem Schuldner nicht den vollen Betrag, den dieser braucht, um aus seiner Geldverlegenheit herauszukommen, vielmehr leiht er nur einen Teilbetrag in bar, gibt als Gegenwert für den Rest Grundstücke, Gebäude, Maschinen, Hypotheken oder schwer realisierbare Wertpapiere, meist erheblich über ihren wirklichen Wert hinein. Bei solchen Geschäften, die tatsächlich schwere Wuchertransakttonen sind, ist die Bestrafung deshalb nicht leicht zu erzielen, weil die Leute, die so bewuchert werden, sehr oft sich nicht in einer dauernden Notlage befinden, sondern nach Ausweis ihrer Bilanz womöglich sogar in guten Vermögensverhältnissen. Es handelt sich hier meist um momentane Zwangslagen, in die die Geldnehmer durch Festlegung ihrer Mittel gelangt sind.

Diese Art des Bankierwuchers ist nun allerdings nicht als eine Berliner Spezialität zu betrachten, im Gegenteil, die Geldquellen fließen meistens in der Provinz. Dagegen ist Berlin die Zentrale des Schleppertums, und
        
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