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Die Wechselstuben

Full text: Berliner Banken / Bernhard, Georg

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betten Stadtteilen Zweigniederlassungen zu errichten, da kannte man die heutige Bedeutung der Wechselstube nur erst wenig. Wie das Wort schon anzeigt, bedeutete dieser Begriff ursprünglich ein Kontor, in dem man Geld-sorten gewechselt bekam. Die Bankgeschäfte unterschieden sich in solche, die nur mit ihrer festen Kundschaft verkehrten, und solche, die auf Laufkundschaft von der Straße her reflektierten. Während die ersten ihre Bureaus meist in einer oberen Etage hatten, wohnten die Wechselbankiers im Laden, um dem Straßenpubli-kum den Zutritt zu erleichtern. Das sogenannte Tafel-geschäft, d. h. die Umwechslung von Geldsorten, der einund Verkauf kleinerer Posten von Wertpapieren über den Ladentisch hinweg, nahm bei einzelnen Handlungen einen sehr erheblichen Umfang an. Im Wechselstuben-Zeschüst zeigten sich jedoch bald starke Auswüchse. Seit den Gründerjahren hatte sich das Interesse des Publikums an den Börsenspekulationen wesentlich gehoben. Und wenn es durch den großen Gründerkrach auch zeitweise etwas erlahmte, so rief jede längere Steigerungsperiode doch wieder die breiten Massen des Publikums auf den Plan. Es war nichts natürlicher, als daß die Inhaber der Wechselstuben sich die Geldgier und Spielfreude des Publikums zunutze machten. Bei ihnen ging täglich ein zahlreiches Publikum ein und aus. Sie benutzten die Gelegenheit, diese passierenden Elemente als dauernde Kundschaft an ihre Firma zu fesseln, indem sie ihnen den Kauf oder Verkauf von Wertpapieren empfahlen. Viele dieser Wechselstuben hingen in der Mittags-Mt große tafeln ins Fenster, auf denen die neuesten Börsenkurse verzeichnet waren und, wenn bewegte Börsetage das besondere Interesse der Spekulanten erweckten, dann standen die Leute oft scharenweise in reger iskussion vor dem Fenster. Besonders pfiffige Laden-
        
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