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Der kleine Bankier

Full text: Berliner Banken / Bernhard, Georg

40 Großstadt-Dokumente Bd. 8. Berliner Banken.

selbe Zeit brachten gewisse Vorgänge die Privatbankiers beim Publikum in Mißkredit. Geachtete Firmen, wie Friedländer & Sommerfeld und Hirschfeld & Wolff, brachen zusammen. Die Bankiers Maaß und L. W. Schnökel jun. stellten ihre Zahlungen ein, und in allen Fällen waren Depots veruntreut, Gelder unterschlagen, kamen Schwindeleien gröbster Art ans Tageslicht. Obenein sah sich das Publikum durch berufsmäßige Gauner, wie den berüchtigten Hugo Loewy, genarrt, der in prahlerischer Weise verschiedene Geschäfte in der Stadt eröffnet und die ihm anvertrauten Gelder veruntreut hatte. Das Publikum begann sich unsicher zu fühlen, und wie das in solchen Fällen immer zu gehen pflegt, wußte es, namentlich als auch in der Provinz mehrere ungetreue Bankiers flüchtig wurden, die Spreu nicht vom Weizen zu sondern. Das Mißtrauen richtete sich gegen den ganzen Stand, selbst alte eingesessene Bankhäuser, wie die Firma F. W. Krause & Lomp., mußten es sich damals gefallen lassen, daß aus ihre Kassen die geängsteten Einleger Sturm liefen.

Die Kundschaft ging in jenen Tagen zu den Banken über, und man hat von da ab immer mehr und mehr das Aktienkapital als Garantiekapital in den Kreisen des Privatpublikums anzusehen sich gewöhnt. Wenn jene Bankzusammenbrüche keine weiteren Folgen gehabt hätten, so würde vielleicht doch nach der Beruhigung, die dem Sturme gefolgt wäre, alles wieder in die alten Bahnen eingelenkt sein. Aber jene Krisis schuf im Volke eine so starke Mißstimmung gegen den Bankierstand, daß die schon verschiedentlich in den Vordergrund getretenen Bestrebungen zur Schaffung einer Bankiersgesetzgebung kräftige Nahrung erhielten. Daß sowohl das Depotgesetz wie auch das Börsengesetz durchaus notwendig waren, steht außer allem Zweifel. Es ging vor
        
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