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Der Bankdirektor

Full text: Berliner Banken / Bernhard, Georg

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wiett oder Handelshochschulen. Sie sollen auch den Nachwuchs, so sagt man, zum Standesbewußtsein erziehen helfen. Aber ist das ein Glück für die jungen Leute? Denn werden sie sich wirklich des kaufmännischen Wertes bewußt, so werden sie um so tiefer draußen im Leben die Erniedrigung empfinden. Sie gelten dort genau so wenig wie das übrige Bildungsproletariat, die Ingenieure, Assessoren und Doktoren der Staatswissenschaften, die zu Dutzenden aus jeder großen Unternehmung herumlaufen, von denen einer durch Glück und Gunst einmal emporsteigt. Sie sind höchst ungeeignete Schwiegersöhne. Und sehr nahe liegt die Gefahr, daß den Enttäuschten schließlich als Ersme des Standesbewußtseins die Forderung erscheint, nicht sürder mehr als Kaufleute bei der Wahl zum Reserveoffizier zurückgesetzt zu werden.

Standesbewußtsein ist kein Klassenbewußtsein. Und das gerade fehlt und kann auf keiner Hochschule eingeimpft werden. Die Erkenntnis der kulturhistorischen Mssion, die Handel und Gewerbe als Klasse gegenüber den aus alter Wirtschaftsordnung her noch regierenden Klaffen zu erfüllen haben, muß auf den Höhen der Kaufmannswelt ganz besonders in den kreisen der Bankleiter herrschend sein. In den Niederungen wimmelt bereits das Proletariat, das von Tag zu Tag dem Brotherrn fremder wird, mag er nun Chef oder Aktiendirektor fein.

Ich fürchte fast, es ist zu spät für Weckrufe. Nur "och Nachrufe kann man dem deutschen Bürgertume wrdmen. Es scheint sein Fluch zu sein, daß es als Klasse niemals zur Macht kommen kann. Denn es wird mit seinem eigenen Gelde beherrscht von seinen — adligen Schwiegersöhnen.
        
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