Path:
Der Bankdirektor

Full text: Berliner Banken / Bernhard, Georg

36 Großstadt-Dokumente Bd. 8. Berliner Banken.

dem Beamten der vom Vater geführten Bank die Hand zum Ehebunde reichte? Die sind nicht ebenbürtig, unter ihnen wählt man erst gar nicht.

Voller Neid blicken unsere Kaufleute und Industriellen über den Kanal und übers große Wasser. Dort regiert das industrielle und kommerzielle Kapital. Ideal sind auch dort die Zustände freilich ganz und gar nicht. Aber vom Standpunkt des Kaufmannes und Fabrikherrn aus gesehen, ist's ein Dorado. Dort hat eben das Bürgertum Klassenbewußtsein. In England hat die Handelsschaft die Lordschaft, insoweit diese nicht überhaupt aus nobili-tierten Kaufleuten besteht, sich assimiliert. Nicht einmal Milchläden und Putzwerkstätten zu besitzen, ist shocking t'or ladies and gentlemen. Und wenn in Amerika die Damen der fünften Avenue sich einen Lord, Herzog, Prinzen oder Grafen kaufen wollen, so zahlt der Herr Papa für diese Passion genau so ein Sümmchen, wie er andere Wünsche der Tochter mit Gold befriedigen würde. Für jeden FreiHerrn aber eine Mitgift zu opfern, fällt dem Amerikaner gar nicht ein. Die Regel ist vielmehr, daß die Tochter sich nach der Golddecke des Mannes streckt, nicht daß der Mann mit den schwiegerväterlichen Dollarnoten sich das Faulbett polstert.

In Deutschland aber scharren die Reichen Reichtum zu Reichtum. Und schließlich — spätestens in der dritten Generation — wandelt sich das Handelskapital in Feudalvermögen. Die Töchter tragen es fort, die Söhne bleiben im besten Fall Nutznießer, Arbeitet im väterlichen Werk sind sie selten, Mehret des (Ererbten fast nie. Wenn es einmal anders ist, wie bei den Rothschilds und Mendelssohns, so wird das angestaunt wie ein Rudiment, das aus guter alter Zeit zu uns hineinragt.

Uns fehlt kaufmännischer Nachwuchs! Die Klage hört man in einem fort. Man gründet Handelsakte-
        
Top of page

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.