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Der Bankdirektor

Full text: Berliner Banken / Bernhard, Georg

32 Großstadt Dokumente Bd. 8. Berliner Banken.  
direktoren trägt bei allem Pomp doch sehr den Charakter 
des Geschäftsmäßigen und steht wohl zum großen Teil 
unter dem Zwange der Aepräsentationspf licht. Dasselbe 
dürste sich auch von der lebhaften Teilnahme ihrer 
Damen an allerhand Wohltätigkeitsveranstaltungen sagen 
lassen. Was da für Familie und nacktes Menschentum 
übrigbleibt, kann sich jeder selbst ausrechnen. Auch hier 
mögen Ausnahmen unterlaufen, aber es sind eben wirk¬ 
lich Ausnahmen. 
Wenn in dieser Hinsicht die modernen Bankdirektoren 
für unsere Kultur viel, viel weniger bedeuten, als früher die 
Bankiers, so ersetzen sie dieses Manko wenigstens durch 
eine immens angespannte Tatkraft, die ihren Banken und 
damit schließlich auch dem gesamten deutschen Wirtschafts¬ 
leben zugute kommt. Allein nach einer anderen Richtung 
hin wirken gewisse Eigenheiten unserer Bankleiter, die sie 
übrigens fast mit der gesamten Hautefinance gemeinsam 
haben, geradezu feindlich der Entwickelung einer bürger¬ 
lichen Kultur entgegen. Als jüngst die Tochter eines 
Direktionsmitgliedes der Deutschen Bank sich mit einem 
freiherrlichen Kavallerieoffizier verlobte, hat dieses Ereignis 
einen findigen Journalisten angeregt, in den Eheregistern 
der Berliner Hochfinanz nachzuforschen, und sein Spürsinn 
hat eine ganze Reihe von Heiraten zwischen ihren Töchtern 
und den Sprößlingen mehr oder minder hoher Adels- 
samilien aufgestöbert. Durch alle Zeitungen fast wanderte 
die geschickt zusammengestellte Notiz, die uns daran er¬ 
innerte, daß schon lange, bevor die Deutsche Bank eben* 
bürtig wurde, die Dresdnerin, die Diskontogesellschast 
und Mendelssohns sich dem deutschen Schwertadel — 
dieses Wort in seiner eigensten Bedeutung genommen — 
versippt hatten. Auch die kurze Ehe der Bleichröder- 
tochter mit dem Gardekürassier v. llechtritz und Stein- 
Kirch, die dem erblindeten Millionär seine letzten Lebens-
        
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