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Der Bankdirektor

Full text: Berliner Banken / Bernhard, Georg

30 Großstadt-Dokumente Bd 8. Berliner Banken.

erfordern, bedürfen zum Teil der schriftlichen Auszeichnung und müssen noch am gleichen Tage oder doch im Lause der Woche mit den Kollegen durchberaten werden. Ein einziges großes Millionengeschäft erfordert, wenn es wirklich mit genügender Gewissenhaftigkeit entriert werden soll, ein ganz außerordentliches Maß von Zeit und Arbeit. Es müssen Sachverständige gehört, Rechnungen geprüft, Pläne und Zeichnungen in Augenschein genommen, Auskünfte eingeholt und oft recht schwierige Kalkulationen angestellt werden. Für den Bankdirektor gibt es keine Raumdifferenz. Einen erheblichen Teil seines Lebens verbringt er auf der Eisenbahn und in den Hotels. Daß jemand, der heute in London, morgen in Paris, in der nächsten Woche in Bukarest und Konstantinopel weilt, selbstverständlich Luxuszug und Schlafwagen benutzt, wird man ihm billigerweise nicht zum Vorwurf machen können.

Gerade diese manchmal überreiche Beschäftigung trägt nicht unwesentlich Schuld daran, daß der Bankdirektor in unserm öffentlichen Leben lange nicht so hervortritt wie der Bankier alter Zeit. Der alte Bankier führte ein viel behaglicheres und ruhigeres Leben. Er spielte oft eine recht bedeutende Rolle als Kunstmäcen. Eine Reihe seiner Gemäldesammlungen verdankt gerade Berlin der Sammeltätigkeit von Bankiers. Es gab früher Bankierhäuser, in denen die Literatur groß gepäppelt, die Musik gepflegt wurde. Es ist charakteristisch, daß zurzeit der einzige Bankmann, der als exzellenter Künstler aus musikalischem Gebiete einen berechtigten Ruf genießt, kein Bankdirektor, sondern der Chef eines privaten Millionenhauses ist, dessen Firma nach alter Tradition seine Geschäfte abseits der, von der modernen Nervosität berannten, Bahnen treibt. Neuerdings ist ein Bankdirektor, der aus einer der angesehensten Berliner
        
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