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Die Hautefinanz

Full text: Berliner Banken / Bernhard, Georg

24 Großstadt-Dokumente Bd. 8. Berliner Banken.

hat ihr Bestreben niemals ernst genommen. Die Börse unterschied höhnend zwischen der Hautefinance und der Hutfinanz, deren Mitglieder mit blankgebügeltem Zylinder an der Börse einherstolzierten.

Die Hautefinance stellt gewissermaßen den Börsenadel dar. Und merkwürdig ist, daß gerade im Mittelpunkt des Kapitalismus das Adelsprädikat durch Geld nicht erworben werden kann. Man kann aber auch hier den Unterschied — sit venia verbo — zwischen Schwertadel und Briesadel machen. Voraussetzung für beide ist aber eine gewisse Tradition. Der Börsenadel wird niemals wegen eines einmaligen Verdienstes, das gewöhnlich der Laune des Augenblicks entsprang, verliehen. Zum Schwertadel gehören noch nicht einmal alle Bankhäuser, die schon ein Jahrhundert oder länger in Berlin ihr Geschäft betreiben. So hat z. B. die Firma Brendel & Eo., die jüngst durch die Schwindeleien ihres Kassierers zusammenbrach und schon im Jahre 1778 gegründet worden ist, niemals zur Hautefinance gehört. Auch die sehr angesehenen Häuser L. M. Bamberger, 3* 3* Taro, Iacquies & Securius, C. N. Engelhardt, ja selbst Breest und Gelpcke sind niemals zu dieser Elitetruppe der Berliner Börse gerechnet worden. Dagegen hat die im Jahre 1775 gegründete Firma M. F. Fetschow & Sohn, deren Bedeutung sehr nachgelassen hat, eine Zeitlang ebenso wie die Firma Anhalt & Wagner, deren Gründung ins selbige Jahr fällt, die Ehren dieser Zugehörigkeit genossen. Berlins älteste Bankfirma Splittgerber & Daun, die jetzt durch das Bankhaus Gebr. Schickler repräsentiert wird, hat sich, obwohl sie keine Rolle mehr im modernen Bank- und Börsenleben spielt, bis auf den heutigen Tag in dem exklusiven Zirkel erhalten. Heute gehöret neben den Mendelssohns, Bleich-röders und den Inhabern der früheren Firma Rob. War-
        
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