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Im Bankpalast

Full text: Berliner Banken / Bernhard, Georg

Im Bankpalast.  11 
kauft haben. Unser Blick irrt suchend in der Runde umher. 
Überall hinter den Glaswänden sehen wir die Kommis in 
emsiger Tätigkeit sitzen. In der Nähe der Schalter oder 
vorn in der vordersten Reihe die Kassierer. Zwischen ihnen 
eilen uniformierte Boten und Lausjungen in geschwinder 
Hast hin und her. In der gerundeten Glaswand be¬ 
finden sich eine Menge Schalterfenster, und über jedem 
steht eine andere Inschrift. Iede Inschrift deutet ein 
besonderes Kassenressort an. An der Ginzahluugs- und 
Auszahlungskasse werden die großen Zahlungen geleistet; 
hier handelt es sich entweder um die Abwicklung von 
Mllionengeschäften oder es werden hier die Gelder er¬ 
hoben oder zurückgezahlt, die die Bank an der Börse 
ausgesehen hat. Dicht daneben befindet sich die Coupon- 
kasse. Sie dient der Einlösung der Zinsscheine der fest 
verzinslichen Wertpapiere oder der Dividendenscheine der 
Aktien, bei deren Geburt meist die Bank Gevatter stand. 
Aber nicht nur die Dividenden derjenigen Aktiengesell¬ 
schaften werden hier bezahlt, die die Bank selbst ins 
Leben rief. sondern auch derer, mit der die Bank in 
engerer Geschäftsverbindung steht. Für alle bei ihr einge¬ 
lösten Scheine bekommt die Bank von den Gesellschaften 
eine kleine Provision. Im Vorüberschreiten werfen wir 
noch einen neugierigen Blick aus die Wechselkasse, wo 
gerade eben ein Wechsel, den ein Kunde bei der Bank 
zahlbar gemacht, von dem Boten einer anderen Bank 
zum Einlösen präsentiert wurde. Endlich stehen wir vor 
dem richtigen Schalter, wo schon mehrere, die vor uns 
kamen, warten. Der Kassierer nimmt den Scheck ent¬ 
gegen und läßt durch einen Beamten das sogenannte 
Avisbuch einsehen, um zu konstatieren, ob der Geschäfts¬ 
freund der Bank. der uns den Scheck sandte, die Entnahme 
vorher angekündigt hat. Der Scheck ist in Ordnung, aber 
er kann noch nicht gezahlt werden. da wir als Legiti-
        
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