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Gerichtshumor

Full text: Berliner Gerichte / Hoeniger, Franz

86 Großstadt-Dokumente 23b. 24. Berliner Gerichte.

„So," meint Staub, „als ich ihn hingab, war er noch nicht verjährt!"

Bei einem anderen entsprechenden Vorfalle findet derselbe Richter wieder mancherlei in Unordnung und meint zu einem ebenfalls vor dem Richtertisch stehenden anderen Kollegen: „Da sieht man wieder, wie unsere Anwälte arbeiten. Hier, in einer klage des berühmten Staub, fehlt nicht weniger wie alles." Staub hört das, tritt an den Richtertisch heran und meint lächelnd: „Fehlt Ihnen etwas, Herr Rat?"

Ein sehr niedliches Vorkommnis wird hoffentlich in der Wiedergabe nicht für ungut genommen.

Vor einem gewissen Örtchen trifft Staub mit dem Vorsitzenden einer Kammer zusammen. Dieser will den berühmten Juristen vorlassen und meint, indem er höflich die Tür öffnet: „Bitte sehr, Herr Iustizrat," worauf Staub den Kopf schüttelt und erklärt: „Nein, Herr Direktor, nach Ihnen, Sie haben den Vorsitz!"

Aus Richterkreisen wurde namentlich dem früheren Kammergerichtsrat Keyßner mancher Scherz zugeschrieben, so unter anderem der berühmte Ausspruch, daß es vier Arten von Gründen gäbe: Die verkündeten Urteilsgründe, die geschriebenen, die wirkliche» und die richtigen. Man tut aber Keyßner mit der Beschuldigung, diesen Witz gemacht zu haben, bitter unrecht; denn er ist schon so alt, daß der Jurist, der ihn aus dem Regensburger Reichstage erzählte, sofort auf ein Jahr vom Hoflager des Kaisers verbannt wurde.

Seit Staubs Tode hat sich für das wichtige Amt, in kritischen Situationen dem erlösenden Humor zum Siege zu verhelfen, ein Nachfolger nicht gefunden. Staub, der Klassiker Berliner Gerichtshumors, ist tot! Wer wird ihn ersetzen?
        
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