Path:
Gerichtspresse

Full text: Berliner Gerichte / Hoeniger, Franz

78 Großstadt-Dokumente Bd. 24. Berliner Gerichte.

Berichterstattung manchen Miszstand gezeitigt. Der Mangel eines Organs, welches die Presse von Amts wegen über wichtige Prozesse informiert — selbst unsere schweigsame Militärverwaltung kennt ein solches Pretzbureau — zwingt den Zeitungsmann dazu, seine Informationen anderwärts durch Hintertüren, Vureauvorsteher, Gerichtsdiener usw. zu holen. Natürlich wird er sich in dem Maße erkenntlich zeigen, wie man ihm entgegenkommt. Und so erklärt es sich, daß die Gerichtsberichte häufig Namen und Taten von Prozeßbeteiligten rühmend hervorheben, deren MSriten mehr als problematisch sind, während anderes, das der Beachtung auf das entschiedenste würdig wäre, in der Versenkung verschwindet.

Die bisherigen Darlegungen betreffen im wesentlichen Moabiter Verhältnisse. Ein veritabler Skandal bleibt es, daß in dem großen Berlin für die Zivil- und für die Verwaltungsrechtspflege unterer und mittlerer Instanz eine berufsmäßig organisierte Berichterstattung fehlt. Es kann ohne weiteres zugegeben werden, daß die Art Berliner Zivilrechtspflege der Berichterstattung große Schwierigkeiten bietet, indem nie genau festzustellen ist, zu welcher Stunde ein Termin stattfindet, wer darin als Anwalt auftritt, ob vertagt werden mutz oder entschieden werden kann usw. Die Zivilrechtspflege bürdet der Presse also eine vielfach größere Arbeitslast auf wie die Kriminaljustiz, und verlangt überdies ein gewisses Maß speziell zivilrechtlicher und prozessualer Kenntnisse, um folgen zu können. Gerade deshalb wäre es nicht sowohl Ausgabe der Tagespresse, als eines fachmännischen Organs resp. einer solchen Korrespondenz gewesen, eine zutreffende Berichterstattung zu organisieren. Wie wichtig eine solche ist, hat sich erst jüngst bei den Prozessen der Stadt Berlin gegen die Straßenbahn, bei gewissen sensationellen Vorgängen in der Lederbranche und bei den Regreßprozessen gegen
        
Top of page

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.