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Winkeladvokatur

Full text: Berliner Gerichte / Hoeniger, Franz

72 Großstadt-Dokumente Bd. 24. Berliner Gerichte.

den Erfolg ihrer Prozesse, die Erledigung wichtiger Familienangelegenheiten prellt. Soll ich Beispiele nennen? Ich denke, der soeben vor den Berliner Gerichten verhandelte Prozeß gegen den sogenannten persönlich haftenden Gesellschafter „Dr.“ Fleischmann von der Vereinigung der Rechtsfreunde spricht Bände!

Was lockt nun das Publikum, dem in Berlin tausend akademisch gebildete, zum großen Teil sehr tüchtige, vielfach sogar berühmte Anwälte zur Verfügung stehen, gerade zu dem Volksanwalt hin?

Zunächst soll nicht verkannt werden, daß es eine Menge von Angelegenheiten gibt, deren Besorgung allerdings besser dem Volksanwalt anvertraut wird. Ich rechne dazu die Fragen der Gewerbeordnung, der Kranken-und Invaliditätsversicherung, Gesuche an die Polizei, die Standesämter, Anzeigen bei der Staatsanwaltschaft usw. Alle dergleichen Dinge bedürfen nicht der Hand des studierten Anwaltes, werden häufig von solchem gar nicht begehrt, ja direkt abgelehnt. Immerhin sind dies alles ja nur Minima, die meines Ermessens einen nach Lausenden zählenden Zulauf und eine in die Hunderttausende gehende Einnahme nicht wohl rechtfertigen könnten, wenn nicht dem von der Winkeladvokatur vertretenen Gedanken zum Teil eine recht gesunde Kenntnis des Lebens und der Verkehrsbedürfnisse zugrunde läge. Und dem ist wirklich so.

Einmal kann die Anwaltschaft schon in ihren Bureau-stunden nicht auf die Bedürfnisse vieler Teile des großstädtischen Publikums Rücksicht nehmen. Die Arbeite-tätigkeit des Anwaltes muß durch die Mahlzeiten unterbrochen, durch den Gerichtsbesuch gestört werden. Sie ist durch die Rücksichtnahme auf seine Angestellten ohnedies in den Morgen- und Abendstunden beschränkt. Alles das fällt bei dem Volksanwalt, der möglicherweise
        
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