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Winkeladvokatur

Full text: Berliner Gerichte / Hoeniger, Franz

Winkeladvokatur.

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ändert sich sofort das Bild, sowie sich zwei oder mehr gefährlich gesonnener Elemente miteinander verbinden. Der Erfolg wächst mit der Zahl der Beteiligten und mit dem Grade der Frechheit. Man bildet eine Gesellschaft, nimmt eine großartige Firma an, wobei Ausdrücke wie: „Erste internationale" oder „zentrale" ... „Deutschland," „Europa," „Welt" . . . eine große Rolle spielen. Je mehr, desto besser. Und nun muß die Reklame spielen. Unter allen Fortschritten, die der menschliche Geist auszuweisen hat, bildet die verfeinerte Art und Weise der Reklame den denkwürdigsten. Zettel werden dem Passanten aus der Straße in die Hand gedrückt, in Restaurants fällt sein Blick auf einen Spiegel, der die Firma der Weltdetektivzentrale nebst Rechts- und Inkassobureau von Zeit zu Zeit in Flammenschrist apparieren läßt, am Abend liest der Gast denselben Namen im Theaterzettel, riesige Reklamewagen durchführen in bizarrer Ausstattung tagaus tagein die Straßen, in den Zeitungen erscheinen Dankbriese angeblich Geretteter . . . Geht das so eine Weile fort und kommt hinzu noch die Vorspiegelung einer angeblich niedrigen Mindestgebühr, so kann natürlich niemand widerstehen. Es rennt das Volk, die Besuchsziffern steigen monatlich in die Tausende, die Einnahmen nehmen allmählich den Charakter der Eingänge eines mittleren Bankgeschäftes.an. Jetzt wäre die Möglichkeit für die Macher und Schieber des ganzen Spieles gegeben, ihr Handwerk ehrlich zu betreiben und wenigstens einigermaßen das zu leisten, was sie versprechen. Aber der Erfolg steigt zu Kopf, die großen Summen, die mühelos zufließen, rauben vollends die Besinnung; man führt ein tolles Leben, erledigt nichts mehr .. . Und dann schließlich ist der krach da, der Krach, der alles vernichtet, die Urheber ins Gefängnis führt und Tausende um ihr bißchen Hab und Gut, um
        
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