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Winkeladvokatur

Full text: Berliner Gerichte / Hoeniger, Franz

Wtnkeladvokatur.

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zu machen. Er tritt dann ohne weiteres nach der Ansicht weitester Volkskreise in die Reihe aller derer, deren Beruf die Arbeit am Recht ist. Er gilt plötzlich als Fachmann, wird um Rat gefragt, mit wichtigen Angelegenheiten betraut, er erhält Geld und Kredit. Derselbe Mann, der womöglich kurz vorher in seinem alten bürgerlichen Berufe gestrandet war, dessen Kredit erschüttert und dessen bürgerliche Existenz vernichtet schien, vermag ungehindert zu neuen Höhen des Lebens emporzusteigen, vielfach getragen von einem Vertrauen und einer Achtung, die er früher niemals zu erringen hätte hoffen dürfen.

Die Leichtigkeit des Überganges gerade zur klaffe der öffentlichen Schreiber, Volksanwälte oder, wie man auch wohl sagt, Winkelkonsulenten erklärt es, daß dieser Beruf mit Vorliebe von allen denjenigen ergriffen wird, die früher einer höheren Lebenssphäre angehörten und vor allen Dingen akademische, speziell juristische oder staatswissenschastliche Vorbildung besaßen. Die Winkeladvokatur zählt in ihren Reihen ebenso den früheren Professor der Nationalökonomie, den gestrandeten Regierungsrat, den entlassenen Amtsrichter, wie den disziplinierten Rechtsanwalt und den Bürgermeister, der zum Abgang genötigt war.

Festzuhalten bitte ich noch eins. Nichts liegt ferner, als alle, die diesen Beruf eingeschlagen haben, für sozial angefault oder bürgerlich minderwertig anzusehen. Es ist bereits darauf hingewiesen, daß gerade dieser Beruf die Möglichkeit bietet, die soziale Leiter, die man herab-gekommen war, rasch wieder emporzuklimmen. Und in der Tat hat die erleichterte Erwerbsmöglichkeit und die Nötigung, sich des fremden Vertrauens durch Arbeit und Eifer wert zu erweisen, zahlreiche der diesem Beruf verfallenen Existenzen genötigt, frühere Untugenden und
        
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